Was heißt „Psy Ta Art”?

„PsyTaArt”: das sind Kunst, Gedanken, Weisheiten, angestoßen durch einen viermonatigen Aufenthalt in einer Psychiatrischen Tagesklinik (PsyTaArt).

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Um die ununterbrochenen Grübeleien, die so eine chronifizierte Depression mit sich bringt, zu stoppen, hilft manchmal Kreativität. Denn der Mensch kann nicht gleichzeitig fühlen und grübeln.

Und wer betreibt PsyTaArt? Das verdorbene Luder Bertha Kessel, die nur an Kunst, Betäubungsmittel und andere gesellschaftlich nicht wertvolle Dinge denkt.

Und warum über uns? Bertha ist ja nicht allein.

Im Sommer 2004, da war sie 24 Jahre alt, wurde bei Bertha eine Sehnerventzündung festgestellt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie an Multipler Sklerose (MS) leidet. Trotz einiger Schübe ist Bertha jedoch neun Jahre lang topfit geblieben und hat sich fleißig Interferon-Spritzen (Rebif 44) verpasst.

Als das Spritzen nichts mehr half, war aber pünktlich ein neues Medikament da. Tysabri.

2012 erkrankte Bertha an Depression und kombinierter Persönlichkeitsstörung. Ziemliches Wrack, oder? Sie wurde aber gedopt mit allerlei Neuroleptika und Antidepressiva.

Seit März 2014 hieß es für Bertha K. Tysabri-Entzug. Die Risiken, eine PML zu entwickeln, waren nach 5 Jahren Behandlung mit Tysabri und einem positiven JC-Status zu hoch. Und dann kam ein halbes Jahr lang der oft eintreffende große Knall. All die Schübe, die fünf Jahre lang zurückgehalten wurden, trafen sie auf einen Schlag. „Ich würde mit dir so gerne abhaun.“ Du kannst abhaun, wohin du willst. Manche Dinge kannst du nicht abschütteln.

Update im Juli 2016: der Tysabri-Entzug wurde halbwegs überstanden. Die letzten beiden Jahre hat Bertha zwei Zyklen Gift einer Chemotherapie bekommen: das neue Wundermittel Lemtrada. B. hatte sich vor der Chemo den ganzen Bericht über das Medikament durchgelesen.

“Do I want to take this drug? No way!” hat Dr. Nathan Fountain von der University of Virginia School of Medicine and the panel’s chairperson gesagt. “The risks are very substantial, but this is a really bad disease”, war die Meinung des Experten Dr. Paul Rosenberg (Johns Hopkins University School of Medicine). Die FDA, die amerikanische Gesundheitsbehörde, hatte das Zeug in den USA jedenfalls nicht zugelassen, weil es ihnen zu gefährlich schien.

Die Beurteilung der Neurologin anlässlich der vorletzten Tysabrigabe:

Anamnese
„78. Tysabri
Pat. wieder weitschweifig, labert über Wackligkeit, stolpere manchmal, es sei nicht krass, Spazierengehen klappe auch auf den begr. [sic] steigen […] Pat, wikt [sic] schlechter gepflegt als sonst, richt [sic] nach Nikotin, MRT Schädel und HWS angemeldet.
Aufklärung über Lemtrada, infomaterial mitgegeben, Pat. ist eher aufgeschlossen gegenüber Lemtrada. Bewußtseinsklar und allseits orientiert, wirkt gehemmt, verschlossener als sonst. Muskelreflexe an den Beinen gesteigert.“

Deshalb wird, wenn es jetzt ernst ist, gebloggt über die wichtigen Dinge. Leben. Liebe. Kunst. Dem Universum ist das sowieso egal. Nun ist sie wieder da, die Art-Bitch Ihres Vertrauens!

Bertha Kessel ist die Christoph Schlingensief Mitteldeutschlands, wie Götz Aly (das ist ein Historiker, der nie eine tolle Stelle an einer Universität bekam, aber trotzdem zu wichtigen Dingen forschte und schrieb), nur eben anders.

Ausgewählte Beiträge von Bertha K. finden Sie auch auf Jenapolis. Und im Fratzenbuch natürlich auch. Das muss bei junger Wissenschaft, Kunst und Street Art so sein.

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