Danke, liebe NPD.

Danke, liebe Nazis!

Ich habe noch nie einen Wahlkampf erlebt, in dem mich so die hohlen Phrasen der etablierten Parteien ärgern, aber ausgerechnet die NPD zu eigenständigem Denken ermutigt. Die Nazis plakatieren zwar nicht in der Innenstadt und nur in den Außenbezirken sind Plakate ganz hoch angebracht, damit sie keiner kaputt machen kann (aber gerade ältere Menschen können sie schlecht sehen).

„Vorbild Schweiz. Massenzuwanderung stoppen.“ Naja, das hat ja vor allem viele Bundesbürger, die in der Schweiz arbeiten, getroffen. „Eltern stärken“ ist auch noch so eine hohle Phrase.

Aber danke liebe NPD, dass ihr uns daran erinnert, dass es völlig egal ist, wo die Zeugung eines Menschen stattgefunden hat: egal ob auf einer Diskotoilette 1980 in Eisenach oder im Urlaub auf Mallorca. Patrick Wieschkes Zeugung fand zwar laut Werbung in Deutschland statt. Und doch war er in der Nacht zum 10. August 2000 an einem Sprengstoffanschlag an der Eingangstür eines türkischen Imbisses in Eisenach als Anstifter beteiligt. Anschläge auf Menschen mit Migrationshintergrund, da haben gerade wir in Jena viele Fragen. Das Sündenregister Patrick Wieschkes geht bereits in der Jugend los, ein richtiger Intensivstraftäter, der m.E. abgeschoben werden sollte (aber wohin, er ist ja „made in Germany“, wie fast alle anderen Intensivstraftäter auch).

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Oder das Plakat „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“ Ich hätte das nie von mir gedacht, aber in diesem Fall muss ich sagen: Ja, liebe NPD, ihr habt recht. Na gut, ihr habt den Spruch von der AfD und der CSU geklaut (bei der AfD hieß der Spruch: „Wir sind nicht das Weltsozialamt.“) .

Aber auch wenn es mir Brechreiz bereitet, muss ich euch einfach zustimmen: die Leistungen für „Ausländer“ insgesamt betrugen im letzten Jahr 6,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig verdiente Deutschland 200.000.000.000 Euro an der Welt. 200 Milliarden, so viele Nullen muss man erst mal fassen. Wir sind Exportweltmeister. Das heißt, wir sind wirklich nicht das Sozialamt der Welt. Deutschland verdient sich dumm und dämlich an dieser Welt. Danke Welt.

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Und endlich dürfen wir diskutieren, ob es vielleicht einen Zusammenhang geben könnte zwischen deutschen Waffenlieferungen und Menschen aus Syrien, die u.a. in unserer Stadt Schutz suchen (für alle, die es nicht wissen: Syrien grenzt an den Nordirak, in dem die Kurden leben, die jetzt mit deutschen Waffen versorgt werden sollen).

„Kindergärten statt Asylheime“: da gebe ich euch teilweise recht. „Asylheime“, allein das Wort klingt ja schon doof und wird in dieser Verkürzung nur von euch benutzt. Aber ihr habt Recht: viel besser sind doch dezentrale Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge aus aller Welt. Dann gelingt die Integration viel besser und alle fühlen sich wohl. Aber Kindergärten sollte der Staat nicht selber bauen und eröffnen. Liebe Nazis, wir sind doch keine Kommunisten. Bereits jetzt werden 2/3 aller Kindergärten von freien Trägern betrieben. Hier gilt es, gleichzeitig den Erziehern eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen und Eltern bei den Kosten zu entlasten. Ach, Politik ist manchmal so kompliziert, dann von mir aus lieber „Kinder statt Inder“ (das reimt sich so schön).

Und das kleine Mädchen mit der Unterschrift „Natürlich deutsch.“ Echt süß. Und nun?
Es ist schockierend, dass besonders NPD-Typen immer wieder mit Kinderpornos erzwischt werden. Mir wird jedenfalls immer schlecht, wenn ich sehe, wie ihr versucht, Kinder für Politik zu instrumentalisieren.

Liebe Nazis, ihr habt es schon nicht leicht mit denkenden Menschen, aber ich werde wegen euch nicht damit aufhören. Und ich erzähle es allen weiter.

SpongeBobBlume auf den Rattenrabatten

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Und wie war dein Tag so? Diese Blume habe ich für 1,20 Euro auf dem Markt gekauft. Sie illustrierte bereits meinen Artikel zur modularisierten Stadt. Dann war sie aus dem ersten Stock meiner Wohnung gefallen. Die Pflanze sah arg ramponiert aus. Sie stand eine Weile vor dem Haus und erholte sich langsam. Mit der Zeit wurde sie immer schöner. Jetzt hat sie als buntes Haar von SpongeBob (den mag mein kleiner Bruder so) ihren großen Auftritt auf den Rattenrabatten. Vielleicht ist sie morgen schon weg. Vielleicht wird sie aber ein wichtiger Teil einer spannenden Geschichte!

Wenn jemand uns die Würde nimmt, dann sind das nicht wir, sondern ihr!

Antwort des Tink Tanks PsyTaArt und Bertha Kessel:

Ein sarkastischer Pfeil in meine Richtung. „Pfandsammeln an sich ist auch nicht entwürdigend.“

Nein. Ist es nicht! Mein Vater hat mir noch beigebracht, jede Pfandflasche aufzuheben und mitzunehmen. „Wer den Pfennig nicht ehrt…“ und so. Aber Pfennige gibt es nicht mehr, genauso wenig wie meinen Vater.

Pfandsammeln ist ein Service für Menschen, denen der Weg zur Abgabe zu mühsam ist und die ihre leeren Flaschen nicht wieder mit nach Hause nehmen wollen.

Bitte stellt sie uns sicher irgendwo hin und seit dankbar.

Unser Arbeitslohn für diesen Service:
Für Einweg-Getränkeverpackungen mit DPG-Logo 0,25 Euro (Dosen, Einweg-Glas- und -PET-Flaschen, bis drei Liter Inhalt; Bierflaschen (Glas), bis zu einem halben Liter Inhalt, haben einen Flaschenpfand von 0,08 Euro. Auf Bierflaschen mit Bügelverschluss wird 0,15 Euro Pfand erhoben.
Für Joghurtgläser, Milch- und Sahneflaschen wird 0,15 Euro Pfand berechnet.
Glasflaschen, die mit Wasser oder kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken befüllt sind, haben Pfandflaschen Preise in Höhe von 0,15 Euro.
Harte PET-Flaschen, in denen Wasser oder kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke bis 1,5 Liter abgefüllt wurden, werden mit 0,15 Euro Pfand belegt.
Auf eine leere Getränkekiste wird, unabhängig von Wasser-, Erfrischungsgetränk oder Bier, ein Pfand von 1,50 Euro erhoben.
Eine halbe, leere Getränkekiste, wie sie manchmal bei Bier vorkommt, kostet 0,75 Euro Pfand.

In allen deutschen Städten leben Menschen wie wir.

Pfandsammeln, Sperrmüll, vor 10 Jahren war das eine ganz normale Sache für Studenten, ökologisch verantwortliche Menschen und auch sozial Schwache. Wenn jemand uns die Würde nimmt, dann sind das nicht wir, sondern Menschen, die solche Kommentare schreiben. Die Initiative Soziale Marktwirtschaft hat ganze Arbeit bei euch geleistet. Doch wir äußern uns zu euren Projekten. Genauso wie zu den Projekten der Stadt, die uns immer mehr kriminalisiert.

Wir sind viele. Wir sind fast immer auf den Rattenrabatten. Behaltet euren Schrank und euren Müll. Über Kleingeld oder Pfandflaschen freuen wir uns immer. Wir haben nämlich viel weniger Geld, als alle anderen um uns herum. Und wir wollen gern mehr davon. Wie jeder andere auch.

Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass es jetzt gilt, die größtmögliche Ordnung der Konservativen mit der größtmöglichen Mannigfaltigkeit der linken Anarchisten zu verbinden.

Ordnung ist wichtig, da die Mehrheit (auch m.E. mehrheitlich wir psychisch labilen Bürger) sich nach Ordnung und Struktur sehnt.

Lassen wir es zu, dass wenige durch bereits erprobte und als gescheitert befundene Projekte (unbeaufsichtigte Tauschplätze) diese anthropologische Grundkonstante der Mehrheit verletzten, dann liefern wir den Befürwortern der ursprünglichen Pläne der Eichplatzbebauung Munition.

Ein junger Konservativer schrieb weitsichtig: „Keine Frage hätte man das Geld sicherlich für anderweitige Projekte verbrauchen können, aber da kleiner unbegründeter Shitstorm auf den Eichplatz losgelassen wurde war es nicht anders möglich. So wartet man jetzt 5 Jahre und baut ihn dann :-)“

Der Smiley am Ende ist eklig. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, bei den Einwohnern dieser Stadt in den nächsten 5 Jahren eine solche Verbundenheit mit dieser Oase mitten im Zentrum zu erzeugen, dass wir einer erneuten Befragung „Ja oder Nein“ ganz beruhigt entgegen sehen können.

Bereits das Projekt „Tauschschrank“ hat uns, mehrheitlich Menschen, denen der Eichplatz am Herzen liegt, entzweit. Wie soll man sich da bloß auf größere Projekte einigen? Jetzt ist auch die Bürgerinitiative, die bisher mit Bauklötzern im Rathaus spielte, gefragt. Wie steht ihr zu dieser Thematik? Ihr solltet die aktuellen Diskussionen aufnehmen und moderieren. Mein Think Tank arbeitet auch auf Hochtouren.

Mit solidarischen Grüßen
Bertha K.

(P.S. und das nächste mal reden wir über grundsätzliche Dinge, die unsere Würde betreffen, wie eine öffentliche Toilette, die kein Geld kostet!)

Kommentar zur Diskussion um Tauschschränke

In eigener Sache über eine gerade aufflammende Disskussion in Jena:

1. Doch. Man darf und muss Projekte, die mich und andere in ihrer Würde verletzen, kritisieren, ohne gleich ein anderes Konzept zu haben. Wir, das sind ich und ein Think Tank von Menschen, die an chronischen und psychischen Krankheiten leiden. Alle von uns leben entweder von ALG II oder Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente. In allen Fällen sind das 365 Euro plus Miete. Und in einer Optionskommune wie unserer Stadt ist das auch sehr arbeitsintensiv. Sie glauben gar nicht, wie arbeitsintensiv die Bürokratie ist. Einen Schwerbehindertenausweis zuerkannt kriegen, das dauert. Da ist einem irgendwann alles andere egal.

Aber natürlich wären wir kein guter Think Tank, wenn wir nicht viele Konzepte in der Pipeline hätten, die unser und das Leben anderer besser machen. Das allertollste Konzept lesen sie in meinem nächsten Artikel. Sofortmaßnahmen, die besser sind, als ein ekliger Tauschschrank:

1. Abgabe der alten Klamotten vor den Filialen der Firmen, die bis heute noch nicht mal die mickrige Entschädigung (ein Leben in Bangladesch ist 467 Euro wert) gezahlt haben. Sie werden erkennen, dass die Entsorgungskosten ihres Mülls höher sind, als wenigstens Entschädigung zu zahlen. Weiterhin keine freiwillige Selbstverpflichtung der Firmen, sondern gesetzliche Regelung. http://www.welt.de/wirtschaft/article127235843/Modefirmen-knausern-mit-Geld-fuer-Bangladesch.html

2. Pfandringe an den Mülleimern anbringen. Klarstellung in den städtischen Ordnungsverordnungen, dass die Ablage von Leergut in Pfandringen keine Ordnungswidrigkeit ist, sondern politisch gewollt. Wer Pfandringe oder Leergut absichtlich kaputt macht, bekommt einen Orden als „Arschloch“ verliehen.

3. Wiedereinführung der Straßensperrmüllsammlungen

4. Bei Tegut richtig geile abgepackte Lebensmittel aus der grünen Tonne abzuholen, ist kein Diebstahl mehr. Tegut wird die Tonne mit abgelaufenen guten Lebensmitteln nicht mehr abschließen.

So das war Nr. 1 -4.

Wie gesagt, die Konzepte unseres Think Tanks sind ausgereift und finanzierbar. Wir sind nur nicht so schnell 
MfG Bertha KESSEL

FAQ:
– Ja. Wir werden die alten Klamotten wieder zu Geld machen. Nicht Nacktheit ist unser Problem, sondern Mangel an Kapital.
– Ja, meine ganze Wohnung ist mit tollen Möbeln vom Sperrmüll eingerichtet. Kein langweiliges Ikea!
– Flaschensammeln und Containern wird entkriminalisiert. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Ressourceneinsparung.

In der Kronfeldstr. stehen seit 6 Wochen 6 Gläser aus Glas. Die werden m.E. irgendwann als Glasscherben Tierpfoten gefährden. In der Otto-Schott-Str. wurde der Versuch eines Tauschplatzes gestartet. Dieser wurde innerhalb kurzer Zeit als Müllablageplatz missbraucht.

Ein weiterer Versuch es zu erklären: als ich vor 14 Jahren nach Jena kam, gab es einen Straßensperrmüll und alle waren unterwegs. Wir konnten uns komplett mit wunderbaren Dingen ausstatten. Diesen gibt es nun nicht mehr, weil selbst im “Müll” ein Wert erkannt wurde. “Erklären sie mir bitte, warum das überzählige Essgeschirr von einem zusammen ziehenden Pärchen nicht im Tauschschrank nicht den nächsten Besitzer erwarten darf, während sie aber Sperrmüll für gut befinden.” Nach dem Sperrmülltag hat KSJ alles gereinigt, alle (egal ob arm oder reich) waren versorgt. Zweimal im Jahr, was für ein Spass.

Warum war der Tauschschrank doof? Der erste waren einzelne Bretter an einem schönen schattigen Baum. Der zweite war auch nicht schön. Und voller Müll. Keine gute Idee!

Ich habe jetzt keine Zeit, die vielen Initiativen in dieser Stadt aufzuzählen (Winzerla, Burgau), die sich bereits mit der Frage nach Weiternutzung gebrauchter Dinge beschäftigen. Muss doch nicht alles auf dem winzigen geretteten Grün am Eichplatz sein, oder?

Tauschschrank weg? Sehr gut!

In der Goethe Gallerie hängt das berühmte Foto vom Fabrikeinsturz in Bangladesh. Zu sehen sind Fotos zweier Opfer. Ich lese hier: „Ihre Arbeit hat zum Reichtum der anderen beigetragen, die sie nicht ausreichend vor Schaden schützten. In ihren letzten Augenblicken, ohne Hoffnung auf Rettung, hatten sie nur einander. Wir können nie erfahren, wer sie im Leben waren, aber wir werden an ihre Würde im Tod erinnern.” Ich hoffe, dass ich das getan habe.

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Ich gehe hundert Meter weiter in eine „New Yorker“ Filialle und fasse ein weißes T-shirt aus Bangladesh an.

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Alles scheint hier wie immer zu sein. Auf dem Weg zum nächsten Einkaufscenter hat jemand die Wahrheit auf den Asphalt geschrieben.

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Arbeit macht tot! Nicht dich. Nicht mich. Außer wir stressen uns zu doll oder werden fett und kippen tot um. Aber die Arbeit hat Frauen und Männer in Bangladesh umgebracht. Gibts ja ein nettes Foto von.

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Der Hippietauschschrank ist weg. Ich finde das gut. Liebe Hippies, eure Tauschschränke, Verschenkaktionen und alles andere gehen mir tierisch auf den Zeiger. Ihr sucht einen Ort für euren Wohlstandsmüll? Und ihr wollt eurer Gewissen erleichtern, weil ihr in diesem Luxus lebt?

Liebe Projektinitiatoren, alles verlief nach Plan, aber der Plan war scheiße. In dem Schrank waren nur echt alte eklige Sachen. Und liebe Hippies: keiner möchte eure alten Klamotten tragen. Für sowas haben Rehana Parveen und ihr Mann das Leben verloren. Und ihr meint, wenn wir jetzt euren Müll abtragen, wird irgendetwas besser. Oder die Verhältnisse der Menschen, die das hergestellt haben, was ihr in den Schrank schmeisst, wird irgendwie durch eure Aktionen anders? Nein.

Ich will, dass ihr noch tragbare Klamotten in den Kleiderkammern und Kleidercontainern abgebt, die es gibt. In vielen Kirchgemeinden wird auch oft gesammelt. Tauschen könnt ihr ja übers Internet. Oder ihr macht einmal im Monat zum Flohmarkt einen Tauschstand. Dann wird es überwacht und ihr lernt Tauschpartner kennen. Aber das macht Arbeit. Und eigentlich wolltet ihr nur ein bisschen Kapitalismuskritik üben. Und anders sein. Und chillen.

Ich möchte, dass jeder Mensch in diesem Land genug Geld für Essen, Kleidung, Kultur usw. bekommt. Ich lebe seit zwei Jahren von ALG II, andere noch von viel weniger. Das ist nicht genug, um wirklich TEILHABEN zu können. Aber ich möchte nicht, dass ihr irgendwo draussen Lebensmittel hinstellt, die ich essen soll. Ich mag eure Klamotten nicht. Ich möchte eigenständig und würdevoll leben können. Genau wie die Menschen in Bangladesh. Ich möchte mir die Klamotten leisten können und in der Lage sein, soviel zu bezahlen, dass die Arbeiter in Ländern mit Textilindustrie davon gut leben können.

Eure Ideen tragen nicht zu diesem Ziel bei. Keine Behörde bezahlt mehr Projekte, die bsps. der Verein „1000 Taten“ freiwillig macht. Leute wie ihr gehören zu diesem System, das ihr so kritisiert, dessen Teil ihr aber seit. Und ihr erfüllt eure Aufgaben. Barmherzig könnt ihr aber jeden Tag sein. Dazu braucht ihr keinen Tauschschrank.

Lasst uns doch über eine gute Nutzung des Eichplatzes reden. Die Kräuterspirale ist cool. Der Tauschschrank war es nicht. Und der Müll, an den ihr einen Zettel „zu verschenken“ schreibt und dann auf die Strasse stellt, gehört zu 80 % in die Tonne (neulich hab ich die Hülle von einer guten Cd gefunden. Die Cd war nicht drin. Das ist nicht lustig.)

Lasst uns zusammen die Welt verändern. Aber dann bitte richtig!

Der Minister, der Finanzdezernent und das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG

Der Minister, der Finanzdezernent und das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG

Der Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr des Freistaats Thüringen Carius hat die Stadt Jena gebeten, die Geschwindigkeitskontrollen an stationären Messstellen mittels Informationsschildern anzukündigen.

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Wie reagiert man auf so eine Bitte? Schließlich ist das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG der große Renner in vielen Städten weltweit. Das klingt genauso smart, wie das „Cross Border Leasing“ von 2002.

Damals hatte die Stadtverwaltung unsere Straßenbahnen zu Geld gemacht. Verträge nach amerikanischem Recht mit Gerichtsstand New York sind gar nicht erlaubt? Egal, das wird schon keiner merken. Totes Kapital muss flüssig werden, hatten die New Yorker Anwälte ihnen eingeredet. Das klang wie eine Gelddruckmaschine, aber am Ende war es wie in Las Vegas. Die Bank gewinnt immer.

Aber „Traffic Service Providing” ist etwas anderes. Laut Werbeauftritt werden „umfangreiche Dienstleistungen, die alle Prozesse der Verkehrsüberwachung vollständig abdecken, ohne einen Mitteleinsatz von Ihnen zu erfordern“, angeboten. „Unseren Service für die Optimierung Ihrer Aufgaben in der Verkehrsüberwachung stimmen wir individuell auf Ihre Bedürfnisse ab.“ Das klingt doch überzeugend, oder? Das „Traffic Service Providing“ bietet von Verkehrsanalysen, Beratung und Konzeption, Finanzierung, Planung von geeigneten Messplätzen, Projektierung und Installation der Verkehrsüberwachungsanlagen, Wartung installierter Verkehrsüberwachungsanlagen, Datenaufbereitung und Customer Service das volle Programm.

Der Finanzdezernent und die Verwaltung waren offensichtlich begeistert.

Aber was soll man da abschließen? Nehmen wir das „Kauf-plus-Service für die Geschwindigkeitsüberwachung“? Mit diesem Dienstleistungsmodell für die Geschwindigkeitsmessung entfällt für die Stadt zusätzlicher Mitarbeiterbedarf, denn die Jenoptik AG übernimmt die vollständige Datenaufbereitung. Auch die Verjährung von Ordnungswidrigkeiten ist ausgeschlossen.

Oder doch gleich den „Rundum-Service“? Das ist das Traffic Service Providing für investitionsfreie Verkehrsüberwachung. Die Analysten von Jenoptik wissen doch mittlerweile, dass die Kommunen zu pleite sind, um ihren Pflichten nachzukommen.

„Sie verfügen nicht über ausreichend Ressourcen und finanzielle Mittel, um Verkehrsüberwachungsanlagen an Unfallschwerpunkten einzusetzen oder Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen?“, steht im Werbeblatt. Der Rundum-Service ermöglicht es, „– ohne Investitionen Ihrerseits erforderlich zu machen“. Nichts mehr mit Polizei und Ordnungsamt. Das wird jetzt outgesourct.

Wenn da nicht diese blöden Nachfragen von der FDP wären. Aber die sind ehe ja bald weg.

Die Juristen von Jenoptik haben das schon wasserdicht bekommen. Falls jemand nachfragt, wird einfach auf die „Verwaltungsvorschrift zur Verfolgung und Ahndung von Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten durch die Polizei und die Gemeinden (VwV VA-StVOWi)“ verwiesen. Sicher steht da nichts von einem „Kauf-plus-Service für die Geschwindigkeitsüberwachung“ drin. Aber falls jemand nachfragt, antwortet man ihm, dass die Verwaltungsvorschrift bestimmt, dass die Kriterien der Richtlinie des Thüringer Innenministeriums für die polizeiliche Verkehrsüberwachung und deren Anlagen in der jeweils geltenden Fassung zu beachten sind. Schon schwindelig geworden? Immer schön mit diesem Juristendeutsch umherwerfen, bis der andere aufgibt. Das wird sich sowieso keiner alles so genau durchlesen.

Also: die Stadt Jena ist aufgrund der Verwaltungsvorschrift zur Verfolgung und Ahndung von Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten durch die Polizei und die Gemeinden (VwV VA-StVOWi), die bestimmt, dass die Kriterien der Richtlinie des Thüringer Innenministeriums für die polizeiliche Verkehrsüberwachung und deren Anlagen in der jeweils geltenden Fassung gültig sind, nicht befugt, auf die geäußerte Bitte von Herrn Minister Carius einzugehen.

Da kann ja jeder kommen und irgendetwas bitten! Natürlich sind solche Fragen in den Verträgen mit Jenoptik geklärt. Aber die bleiben vertraulich. Außerdem hat er nur gebeten und nicht gefordert. Darauf legt der Finanzdezernent wert.

In der Verordnung heißt es zwar, die Verkehrsteilnehmer sollen „durch die Erhöhung der objektiven und subjektiven Entdeckungswahrscheinlichkeit zu verkehrsgerechtem und rücksichtsvollem Verhalten motiviert werden.“ Und eigentlich ist laut Verordnung grundsätzlich ein aufklärendes Gespräch mit den Verkehrssündern vorgesehen.

Menschen sollen also zu etwas motiviert werden? Nicht so mit der Jenaer Verwaltung und ihrem Finanzdezernenten. Der will „rechtswidrige Verhaltensmuster auf[…]decken und wieder […] unterbinden.“ Ziele des Finanzdezernenten: „die Problemkandidaten finden“, „deren „Fehlverhalten belegen“, um dann „von ihnen eine Verhaltensänderung zu verlangen.“ Das klingt für mich irgendwie nach George Orwell, in dem ein totalitärer Präventions- und Überwachungsstaat im Jahre 1984 dargestellt wird.

Aber wir gehen davon aus, dass alles nur gut gemeint ist. Im ersten Jahr von 2012 bis 2013 lagen die Einnahmen durch die acht neuen Blitzer in der Stadt Jena bei etwa 1,3 Millionen Euro. Das Jahresgehalt des Vorsitzenden des Vorstandes der Jenaoptik AG Michael Mertin betrug in diesem Zeitraum 1,4 Millionen Euro. Wir werden uns bessern.

Jenas Weg in die Zukunft: Die modularisierte Stadt

Jenas Weg in die Zukunft: Die modularisierte Stadt

Wie soll es mit dem Eichplatz weitergehen? Auf der Wunschliste stehen Parkplätze und Flächen für gemeinsame Volksfeste in der Innenstadt. Andere mahnen Grünflächen und Orte zum Erholen ein. Den nächsten fehlen hochpreisige Shoppingangebote wie die Filiale eines Herrenschneiders, für den Internetangebote keine Alternative sind. Und schließlich fehlen Orte für Kultur und Kunst.

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Jena hat das tragische Schicksal ereilt, dass 1945 ein Großteil der Innenstadt zerstört wurde. Ende der 1960er Jahre gestaltete die DDR-Stadtplanung für die Bürger eine Innenstadt und eine Zukunft, von der wir heute froh sind, dass sie vergangen ist.

Wie läuft aktuell die Verfahrensweise und Diskussion, in der eine Entscheidung für ein Zukunftsmodell so schwer fällt? Um zu planen, wie wir mit einer nur bedingt voraussehbaren Zukunft umgehen sollen, schauen alle Diskussionsteilnehmer, Verwaltung, Befürworter der Pläne von Jena Wohnen und Projektgegner, in die Vergangenheit (manche bis ins Mittelalter).

Warum wird eine Diskussion darüber geführt, was diese Stadt in zwanzig Jahren braucht? Entschieden werden soll über eine Zukunft, in der die meisten der Entscheider bereits im Ruhestand sind. Viele derjenigen, die mit den gefundenen Kompromissen leben müssen, sind heute noch gar nicht geboren. Und wenn wir alle ehrlich sind, kann keiner die Bedürfnisse (oder „Bedarfe“, wie es im Amtsdeutsch heißt) genau voraussehen.

Während die Verantwortlichen der Stadt und die Vertreter der Initiative „Mein Eichplatz“ gemeinsam im Foyer des Rathauses mit Bauklötzern spielen, sind die Pläne der Gruppe „PsyTaArt“, einem interdisziplinären Think Tank, bereits ausgereift und baufertig.

Die modularisierte City

Was in der Universität und vielen anderen Forschungs- und IT-Projekten schon längst zum Alltag gehört, setzt sich nun auch in der Stadtplanung durch. – Die modularisierte City –

Durch den modularen Aufbau der City bestimmen Sie, welche Module bei Ihnen wirklich benötigt werden. Erweitern Sie jederzeit den Funktionsumfang von JenaModul, wenn sich Ihre Anforderungen verändern oder weitere Prozesse abgebildet werden sollen. Unterlegt ist die Modulgrundfläche mit einer drehbaren Autoverwahranlage, die Platz bietet für 20.000 Fahrzeuge.

Mo Grü, die mobile Grünanlage (die KSJ Grünanlage to go)

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Mo Grü ist ein von führenden Landschaftsplanern und Kinderspielplatzarchitekten designtes Modul. Experten für kostengünstiges Wachstum und Pflege der vielen Pflanzen, auf die der botanische Garten neidisch wäre, wurden bereits vertraglich an das Projekt gebunden.

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Der Einsatz über einen Zeitraum von 4 Monaten im Jahr bindet jährlich bis zu einer Tonne CO2.

Das Konsum-Modul, denn Wachstum mag den Kapitalismus

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Dieses Modul bietet Platz für gehobene Tagungsansprüche und luxuriöses Shoppingerlebnis sowie Gastronomie. Auch ostdeutsche Künstler und Künstlerinnen wissen, dass Konsum Platz braucht. JenaKonsum bietet 22.000 Quadratmeter – 800 Quadratmeter je Geschoss und eine wunderschöne überirdische Freifläche. Die Räume werden den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Tagungsräume, Übernachtungsmöglichkeiten, eine Jenaer Modewoche oder temporäre Filialen großer Unternehmen, das alles ist in den flexibel erweiterbaren Raumeinheiten zu realisieren. JenaKonsum: weil Sie es uns wert sind!

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Das dritte Modul ist gleichzeitig das kostengünstigste: eine Freifläche von der Größe des heutigen Eichplatzes.

Während zwei Module (z.B. für eine Messe mit benachbarter Grünanlage) in Betrieb sind, befindet sich die dritte in der Lade- und Pflegestation. Die Innenstadt wird jederzeit an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Die Module sind immer in modernem und gepflegtem Zustand. Menschen aus Erfurt oder Leipzig müssen 3-4-mal im Jahr unsere Stadt besuchen, da sie gespannt sind auf die jeweilige Modulausstattung. Die Stadt Jena wird jedes Jahr zu einem neuen Erlebnis.

Alle Module zusammen ergeben eine Einheit, eine Innenstadt, in der Sie Ihre Tagungen, Roadshows, Kongresse, Leben, Erholen, Shopping und Kultur sehr komfortabel und effektiv betreuen können.

Die Verhandlungen mit dem Innovationsfond des Bundes laufen. Für diese Lösung sollen der kommunalen Kasse keine Kosten entstehen.

Also: wie auch immer der interne Workflow aussehen mag, JenaModul passt sich Ihren Bedürfnissen und Anforderungen an. PsyTaArt kennt Gärtner, Architekten und Landschaftsplaner. Sie können uns also vertrauen.

Zukunft = JenaModul, die wandelbare Stadt.

(Alle Rechte behält Bertha Kessel sich natürlich vor. Lizenznehmer sind immer gern gesehen).

Das „N“ aus dem Schriftzug „Du bist so paradiesisch“

Wahrscheinlich linksradikale alternative Utopisten haben ein „N“, mutmaßlich Teil eines bekannten Schriftzugs, mit dem in den letzten Wochen Schindluder getrieben wurde, auf der PsyTaArt-Bank abgelegt. Bertha Kessel distanziert sich sowohl von den Initiatoren als auch den Veränderern. Ihr Idioten, das war der Hollywood-Schriftzug Mitteldeutschlands!

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Wie in einer normalen Beziehung.

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Über die PsyTaArt-Bank, Einhörner, Pferde und Engel.

Heute war ein interessanter Tag, an dem mir Pferde, Einhörner und Engel begegneten.

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Auf der PsyTaArt-Bank steht jetzt auch ein Pferd. Ein Sockenstockpferd. Sehr selten und wertvoll.

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Ich habe heute ein Einhorn für ein kleines Mädchen gebaut, das ganz dringend eins braucht. Und du so?

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Ich habe heute einen kleinen Engel gefunden. Er bekam neue Flügel von mir und passt jetzt wieder draußen auf. Den Hund im Hintergrund kenne ich nicht. Der gehörte jemand anders und wurde dort ausgesetzt.

Engel

Und das ist eine Illustration für einen Beitrag auf Jenapolis.

Stromkasten

Interessanter Tag mit Pferden, Einhörnern und Engeln. Was will man mehr.

Und wieso das alles? „Nur so, nur so, einfach nur so!

Die letzte Schlacht gewinnen wir!

In meinem Kopf tobt ein Krieg. Die Aktivität der Nervenzellen ist durch den Transport von elektrisch geladenen Teilchen bestimmt. Wenn in meinem Gehirn tausende benachbarte Zellen gleichzeitig aktiv werden – um einen Reiz zu verarbeiten oder eine Aktion zu veranlassen – fließt Strom. Dieser ist zwar klein, aber messbar.

Der mexikanische Graswurm ist weggelaufen. Ich hoffe, dass irgendjemand ihm genug Wasser gibt.

Graswurm

Bertha Kessels Beitrag zur essbaren Stadt. Der ganze Beton macht nämlich ihre Zähne kaputt.

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Ein Duplikat der Trophäe und der Anteil an der Siegerprämie (0,0032 Euro pro Einwohner dieses Landes) sind nach wie vor sehr begehrt. „Wir sind alle Weltmeister“ (Joachim Löw).

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Und das ist die Schlacht da draußen.

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Mein Tag. Deiner?

Und wie war dein Tag so?

Ich habe gerade eine Menge zu tun. Nach Richtlinie 95/46/EG zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr müssen nun an allen Ampelanlagen und Informationstafeln mit Rufautomatik dieses Hinweisschild angebracht werden.

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Und dein mexikanischer Graswurm? Hast du ihm Wasser gebracht?

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Der Graswurm ist irgendwie gerade unterwegs. Als ich zur PsyTaBank kam, war von ihm nichts zu sehen. Ich vermute aber, dass diese Tierart nachtaktiv ist.

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Da ist ja auch der Weltmeisterpokal. Wie kommst?

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Jogi Löw und Manuel Neuer haben gestern (16.07.2014, A. d. V.) deutlich betont, dass wir alle Weltmeister sind. Laut DFB-Regelheft erhält nun jeder Einwohner ein Duplikat der Trophäe und den Anteil an der Siegprämie. 300.000 geteilt durch 80,06 Millionen? Das macht 0,00375 Euro pro Mensch. Mir wurde nun eine halbe Sachbearbeiterstelle genehmigt, um bis 2017 die Verteilung abzuschließen. Ich habe aber erst zwei Menschen Pokale übergeben können. Das hier ist ein Pokal, der gestern nach Winzerla ging. Ich sag nur „braune Zelle“, NSU und NSA und immer verwechsle ich das alles.

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Also hast du eine Menge zu tun?

Ich lebe in einer Stadt, in der die Psychiatrie nach einem Beisitzer eines Erbgesundheitsgerichts benannt ist. Und niemanden stört es. Ich lebe in einer Stadt, in der dir ein kaputtes System Erwerbsunfähigkeit bescheinigen will. Behaltet doch euer verlogenes System. Ich baue mir ein eigenes! Zwischendurch war ich dann so platt, dass ich gern am Lebensautomat Stopp gedrückt hätte. Aber ich habe noch genug Energie, um für ein bisschen Wirbel zu sorgen. Also bleibt dran.

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Der Tag

Das hier ist ein kleiner Dreckspatz. Ein Spatz?. Das sieht doch niemals aus wie ein Vogel! Wie sehe ich denn aus?

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Ich hatte heute wirklich großes Glück. Auf meinem Fensterbrett lief eine Kassiopeia-Schildkröte herum. Diese Schildkröte kann eine halbe Stunde in die Zukunft sehn. Lest unbedingt mal Momo.

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Die goldenen Nüsse

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Viel zu viele Ideen für so wenig Zeit

Ich habe gestern mit dem Mann gesprochen, der Vorbild war für die Figur aus Ton an der Ratten- und Taubenfütterungsanlage auf den Rattenrabatten. Er und seine Freunde schauen jeden Tag nach, ob die Bertha-Kessel-Figur, für die er Vorbild war, noch da ist. Er kennt jede Taube und ihre Geschichte. Von ihm stammte auch der inzwischen verschwundene Gartenzwerg. Da wurde es Zeit, die Rattenfigur auf den Rattenrabatten auszusetzen.

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Bertha Kessel ist jetzt auch auf Facebook.

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Bilder hier, Bilder da, im Moment wird jeder Tag der Street Art gewidmet. Und wo die Bilder dieser vergänglichen Kunst posten? Hier und auf Facebook. Mal sehn, wann alles durcheinander gerät.
Alle Arbeiten, die dann und wann von Bertha Kessel auftauchen, sind Unikate. Die Künstlerin hat sich vorgenommen, kein fremdes Eigentum zu beschädigen. Daher besteht die Leinwand oft auf leeren Kartoons oder Milchpappen. Menschen, denen die Kunst gefällt, können diese gern mitnehmen. Der Künstlerin geht es hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit bestimmten Themen, Techniken und Materialien. Ob die Kunst eine eigene Geschichte auslöst, das entscheidet das Publikum.

Die Niederlande bei der WM 2014

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Eine Mannschaft mit Robbe van Persie und Arjen Robben? Wir haben die geheimen Tiertrainer ausfindig gemacht. Wir werden berichten. Eventuell. Vielleicht.

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Das einzige Oranje, das ich gestern gesehen habe, war der Windschutz des ZDF-Mikrofons!

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Weiterhin ist der Schlachtplan der deutschen Mannschaft bis zum Finale geändert worden. Mittwochs werden jetzt die Kaninchen und freitags die Lämmer geschlachtet.

Alleinsamkeit – Ein Abend im Circus MoMoLo

Alleinsamkeit – Ein Abend im Circus MoMoLo

Es ist ein frühlingshafter Freitagabend und das Zelt des Circus MoMoLo unweit der Lichtenhainer Brücke bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Titel der Vorstellung „Alleinsamkeit“ beschreibt den Zustand des Einzelnen, der von vielen Menschen umgeben sein kann, sich aber dennoch einsam fühlt.

Zirkus

Projekte zu realisieren, innerhalb derer junge Künstler diese „Alleinsamkeit“ überwinden, hat sich der Jenaer Kinder- und Jugendzirkus MoMoLo seit 2006 auf die Fahne geschrieben.

20.22 Uhr Das Licht geht aus und der Italiener Andrea Baccomo, am heutigen Abend Tänzer, Bassspieler, Jongleur und Regisseur in Personalunion, betritt die Manege. „Was mache ich, wenn ich allein bin?“ fragt seine Marionette, nachdem die Puppe festgestellt hat, dass die Begrüßungsformel „Meine Damen“ Blödsinn ist, da die Damen im Publikum ihr ja gar nicht gehören.

Eröffnet wird ein ca. einstündiges Kleinkunstprogramm, begleitet von Martin am Schlagzeug, Frauke am Cello und Jonas am Bass/Gitarre.

Immer wieder interagieren die Musiker mit dem Maler Thomas, der innerhalb des Abends aus vier leeren Leinwänden Bilder entstehen lässt. Töne und Farben vermischen sich bei ihm während des Schaffensprozesses (z.B. durch ein Mikrofon an der Leinwand), Rhythmen werden zu Linien.

Zur Tanzperformance von Frauke läuft ein französisches Chanson vom Band. Ihre Bewegungen und die Musik dazu passen wunderbar in die Atmosphäre dieses Zirkuszelts. Sie scheint mit der Manege zu verschmelzen.

Teresas darauf folgende Choreografie erinnert an das legendäre Moulin Rouge, ein Varieté im Pariser Stadtviertel Montmartre. Danach begeistert Andrea Baccomo die Zuschauer mit einer Jonglage-Performance, die genau abgestimmt wurde mit der Musik der Begleitband.

Plötzlich steht Jonas allein mit seinem Bass im Mittelpunkt der Manege und zeigt sein Können am Instrument, gefolgt von Roxanna mit einer Mischung aus Ausdruckstanz und Akrobatik.

Doch was bedeutet dieses „bewundert werden“? Für Bewunderung sind wir Menschen nicht gemacht, gibt der Sprecher im Anschluss zu bedenken. Meist werden diejenigen bewundert, die mit dem Finger auf die Schwächen anderer zeigen. „Wer bewundert wird, wird nicht geliebt.“

Wieder folgen noch gewagtere Tanzchoreografien und Jonglage-Einlagen. Jeder der bunten Gruppe hat seine Soloeinlagen im Mittelpunkt der Zirkusmanege. Der Abend endet mit lautem Applaus, Rufen des Publikums nach Zugaben und dem Bekenntnis Andrea Baccomos: „Wir sind Künstler, wir sind arm.“

Allein, passend zum Thema der Alleinsamkeit, gehe ich nach Hause. Ein Zirkuszelt lädt zum Träumen ein. Ich frage mich, wann ich eigentlich das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht habe. Infos und Termine erhalten sie unter http://www.momolo.de