Author Archives: Bertha Kessel

Bilder der Woche (Farbe auf Holz)

Bilder, die ich diese Woche gemalt habe:

Update Anfang August 2016: Die Einnahme verschiedener Neuroleptika führte zu einem sehr interessanten Rausch, Bilder zu malen. Ein Tag, an dem man kein Bild gemalt hat, ist ein verlorener Tag, war meine Grundüberzeugung. Dieser Rausch, die verbliebene Zeit sinnvoll zu nutzen, ist leider seit der Absetzung der Tabletten verschwunden.

„Mädchen 2005“ Acryl/Holz (liegt vergessen auf einem Dachboden)
Mädchen

„Deutschland im Dezember“ (2014)

Junge

Rassenhygiene. In Jena sollte der „neue Mensch“ gezüchtet werden

In Jena war bereits seit 1930, mit der Berufung des sog. „Rasse-Günthers“ das Zentrum der Rassenforschung und der Rassenhygiene. Heute will nichts mehr daran erinnern.

Das Landesamt für Rassewesen in Weimar wurde von der Thüringer Landesregierung am 15. Juli 1933 – nur einen Tag nach der Bekanntgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ – im Einvernehmen mit der Reichsregierung eingerichtet. Das Amt unterstand als selbstständige Behörde dem Innen- und Volksbildungsminister und hatte Zugriff auf die Daten des staatlichen Gesundheits- und Wohlfahrtswesens. Zum Präsidenten wurde der nicht habilitierte Mediziner und spätere Rektor der FSU Karl Astel berufen.

Astel, Friedrich Wilhelm Karl, Mediziner, Rassenhygieniker, Rektor der FSU. * 26.02.1898 Schweinfurt, † 4.04.1945 Jena.

Astel, Friedrich Wilhelm Karl, Mediziner, Rassenhygieniker, Rektor der FSU. * 26.02.1898 Schweinfurt, † 4.04.1945 Jena.

Innerhalb erbbiologischer, kriminalbiologischer und psychiatrischer Abteilungen waren bis zu 52 Mitarbeiter in Weimar mit der statistischen „rassenhygienischen“ Erfassung der Gesamtbevölkerung von Thüringen nach verschiedenen Kriterien (u.a. Berufszugehörigkeit, beschuldigte Verbrechen, sexuelle Orientierung, Krankheiten etc.) beschäftigt. Organisiert wurden u.a. Fortbildungskurse für Ärzte, Juristen, Polizeibeamte und Lehrer in Egendorf bei Blankenhain zu den Themen Rassekunde und Eugenik (Erbgesundheitslehre). Gutachten des Amtes führten zu Sterilisierungen von als „erbkrank“ stigmatisierten Menschen. Eine von K. Astel entwickelte „Sippschaftstafel“ sollte die Bevölkerung in „Arier“ und „Nicht-Arier“ einzustufen.

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Das Amt unterhielt eine Außenstelle in Jena. Die Abteilung „Lehre und Forschung“ sollte den erbbiologischen, bevölkerungs- und rassenpolitischen Gesetzen und Maßnahmen eine wissenschaftliche Grundlage verleihen. Dazu kooperierte das Landesamt mit der von der Universität Jena in der Kahlaischen Straße untergebrachten „Anstalt für menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung“, ab 1935 „Institut für Erbforschung und Rassenpolitik“, an dem Astel eine Professur erhielt.

In dieser Stadt lebten die Vordenker, die mit einer kruden Pseudowissenschaft die Erkenntnisse Ernst Haeckels missbrauchten. Anstatt sich diesem Erbe zu stellen, feiert Jena ein „romantisches Jahr“. Das neue Max Planck-Institut in Jena fragt die Historiker in der FAZ an, was sie sich denn von der Genetic History erhoffen Wir können euch die vier Fortpflanzungsstudien über 22.000 Bauern, 12.000 Beamte und Angestellte sowie 14.000 Handwerker vorlegen. Über die Kinderzahl von 29.000 politischen Leitern des Gaus sind wir bestens informiert. Das haben die Rassenfanatiker fein säuberlich gesammelt in Jena.

Darüber hinaus interessiere ich mich für Menschen in der Vergangenheit. Nicht für ihre Gene. „Die Thüringer hatten guten Grund, sich vor dem zu fürchten, was in Jena ausgedacht wurde.“ Hoßfeld, Uwe, Institute, Geld, Intrigen. Rassenwahn in Thüringen, 1930 bis 1945, Erfurt 2014, S. 150.

Zum Weiterlesen auch:
Stutz, Rüdiger u.a. Hg, „Im Dienst an Volk und Vaterland. Die Jenaer Universität in der NS-Zeit, Köln 2005, S. 85ff.
Hoßfeld, Uwe, Rassekunde und Rassenhygiene im „Mustergau“, 1930 – 1945 Blätter zur Landeskunde 2004.

Bertha K. über: Katrin Pöhnert: Hofhandwerker in Weimar und Jena (1770-1830)

Bertha K. über:
Katrin Pöhnert: Hofhandwerker in Weimar und Jena (1770-1830). Ein privilegierter Stand zwischen Hof und Stadt. Jena 2014, 49,90 €, ISBN: 978-3-9815368-4-3

Innerhalb des SfB 482 „Ereignis Weimar-Jena“ wurde erstmals über die Herkunft und das Leben der Hofhandwerker beider Städte geforscht. Nun ist als Ergebnis ein über 400 Seiten dickes Buch erschienen, das ich hier vorstellen darf und das neue Einsichten in die Hof-, Stadt- und Zunftgeschichte erlaubt.

Durch die Voranstellung „Hof“ grenzte sich diese Gruppe von einfachen Handwerkern ab. Das hatte weitreichende Konsequenzen nicht nur im sozialen Ansehen (die Werbung der ehemaligen Hofhandwerker zieht bis heute in Bayern), sondern auch im Rechtskreis, in dem sie sich bewegten. Um 1800 gab es keine soziale Gleichheit, wie sie heute angestrebt wird. Für Universitätsangehörige war etwa ein anderes Gericht zuständig, als für einen Bürger der Stadt.

Diese Gruppe, über die Pöhnert schreibt, schwebte zwischen diesen zwei Sphären. Immer wieder musste in Konfliktfällen geklärt werden, wer denn nun diese Hofhandwerker seien. Sie gehörten eben nicht zweifelsfrei zum „Hof“ oder zur Stadt (in Jena kam es darauf an, ob der Handwerker Unterricht erteilte).

Der Hofmechaniker Georg Christoph Schmidt hatte die Aufgabe, den Studenten Unterricht in praktischer Mechanik zu gewähren. Dafür war ihm von Anna Amalia ein festes Gehalt von 100 Talern versprochen worden. Er bekam aber nur 50 Taler. Schmidt bat, wie zu dieser Zeit üblich, seine Studenten zur Kasse. Daneben fing er an, Bücher zu illustrieren und Professoren und Regenten zu porträtieren. Pöhnert legt zwar immer wieder Wert auf die ständische Zugehörigkeit der Hofhandwerker in Weimar und Jena (d.h. der Handwerksberuf wird innerhalb der Familie vererbt). Sie verkennt jedoch, dass es sich bei Hofmechanikern und Hofdruckern (trotz eindeutiger Zuordnung zum Stand der Handwerker) an der Universität im Gegensatz zu den Handwerkern der Stadt um Künstler handelte. Diese waren, wie sie zu Recht bemerkt, sozial viel ungebundener, als die städtischen Handwerker.

Der Hofmechaniker Georg Christoph Schmidt war ein Künstler, so wie Schiller gleichzeitig Dichter und Historiker war. Vom Multitalent Goethe wollen wir hier gar nicht anfangen. Der im Zuge der Gründung des physikalischen-mechanischen Instituts eingestellte Mechaniker Franz Joseph Alexander Otteny etwa erhielt zunächst kein Gehalt. Die Prioritäten an der Universität waren zu der Zeit, in der Schiller noch nicht Namensgeber, sondern Lehrender war, andere. Erst nach dem Tod Georg Schmidts 1811 erhielt Otteny dessen Gehalt von 50 Talern im Jahr.

Die Geisteswissenschaft in Jena, die um 1800 zu Höhenflügen aufgebrochen war, brauchte Handwerker wie Schmidt, die, wie man an der Abbildung der Scheibenelektrisiermaschine sieht, handwerkliche Begabung mit unbändiger Fantasie verbinden konnten.
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Abbildung der Scheibenelektrisiermaschine von Georg Christoph Schmidt. Aus: Georg Christoph Schmidt: Beschreibung einer Elektrisir-Maschine, Jena 1773.

Die Hofhandwerker innerhalb der Stadt vererbten ihre berufliche Stellung immer wieder an die Söhne, wie Pöhnert deutlich belegt. So entwickeln sich bestimmte Handwerkerdynastien über Jahrzehnte im Auftrag der Stadt immer weiter. Die Stellen werden an die Söhne vererbt. Böse Zungen behaupten, dass das bis heute bei KSJ so sei. Wer sich für die Geschichte der Städte Jena und Weimar interessiert, erfährt in diesem Buch mehr darüber, als innerhalb eines ganzen offiziellen romantischen Jahres.

Bertha K. und die Toiletten in Jena (Teil 2)

Wir fangen jetzt damit an, unsere Stadt schöner zu machen. Die erste Kunsttoilette Deutschlands entsteht in….

In der Stadt Jena herrscht ein erbitterter Disput darüber, wie in den nächsten Jahrzehnten das Bild der Innenstadt aussehen soll. Aber kaum jemand nimmt wahr, wie Besucher, die nicht geringe Parkgebühren bezahlen und dann in unserer Stadt Geld ausgeben sollen, seit langem begrüßt werden.

Klo

„Diese Toilette ist geschlossen!“ steht dort mit einem Gruß des Kommunalservice Jena, dessen Mitarbeiter die Toilette jedoch selbstverständlich nutzen. Natürlich gibt es eine Luxustoilette auf dem Marktplatz, die 50 Cent Eintritt kostet. Aber das ist dem Besucher, der nach einer langen Fahrt dringend auf´s Klo muss, nicht bekannt. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nützt dieser Nachbau einer Pariser Metro-Station sowieso nichts.

Waren sie schon mal mit Kindern in der Innenstadt unterwegs? Wie oft muss ein Kind auf Toilette? Riecht es in vielen Bereichen in der Innenstadt unangenehm nach Urin? Gerade an den sogenannten „Rattenrabatten“?

Institute und Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek beklagen sich, zur öffentlichen Toilette für die Reisebusgesellschaften, die man auf der ITB wieder werben will, zu werden.

Hier ist die Idee von Bertha Kessel und ihrem Think-Tank: die erste „Kunsttoilette“ Deutschlands.

Für unsere Vision einer lebenswerten Innenstadt wollen wir mit einer „Jenaer Kunsttoilette“ (JKT) bei freiem Eintritt werben. „Pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“), die lateinische Redewendung, die auf den römischen Kaiser Vespasian zurück geht, hatte schließlich mit der römischen Toilettensteuer zu tun. Wir haben da ein „Herz der Stadt“, für andere ein „Filetstück“, wenn es um den materiellen Wert eines Quadratmeters geht. In Jena gibt es mehrmals im Jahr Veranstaltungen wie das Altstadtfest, den Frühlingsmarkt und und und. Es besteht also ein riesiger Bedarf eines stillen Örtchens.

Ebenso besteht bei vielen Menschen ein riesiger Bedarf, sich 100 Euro im Monat hinzuverdienen zu können. Der stadteigene Betrieb Jenarbeit hätte an diesem Ort die Möglichkeit, professionelle Schulungen im Facility Management und im Bereich Security, den großen „Boombranchen“ im Niedriglohnsektor, anzubieten.

In einem ersten Schritt wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Die Bürgschaft wird gemeinsam darüber entscheiden, wie das kleine Häuschen von außen gestaltet werden soll. So üben wir gemeinsam, wie ein Dialog über Architektur aussehen könnte. Dem Sieger winkt die Ehre, als erster nach Jahrzehnten sein Modell auf dem Eichplatz realisiert zu sehen.

In den Toilettenräumen sind Monitore mit Stadtplänen und Tipps für einen Innenstadtbummel angebracht. Diese Informationen werden dort mehr Menschen erreichen, als die Jena Tourist-Information (natürlich können auch die Werbebotschaften der Sponsoren eingeblendet werden).

Die erste Kunsttoilette Deutschlands wird das verbindende Element sein im Carré zwischen Nonnenplan, Kollegiengasse, Weigelstraße und Johannisstraße. Die Straßen werden zu Flaniermeilen. Wechselnde Ausstellungen junger KünstlerInnen aus Mitteldeutschland machen den Toilettengang für Arm und Reich zu einem Kunsterlebnis.

OKJ wird einmal im Monat live die Sendereihe „Jenaer Toilettengespräche“ ausstrahlen, in die städtischen Honoratioren, Politiker, Künstler… Rede und Antwort stehen.

Natürlich wird die „Jenaer Kunsttoilette“ nur eine Zwischenlösung, eine temporäre Aktion sein, um an einem kleinen Projekt den großen Dialog einer lebenswerten Innenstadt wieder in Gang zu bringen. Berlin, Hannover und Köln haben ihren WC-Bestand komplett privatisiert. Die Stadt Jena wünscht sich ein echtes Alleinstellungsmerkmal?

Hier könntet ihr eins haben, das allen nützt, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau. Die Toilette funktioniert. Der Verkäufer im Dönerladen hat einen Schlüssel. Für eine luxuriöse Innenausstattung werden wir Sponsoren finden („denn das Klo, zu dem er kroch, war von Villeroy und B…)

Im Frühjahr wollen wir damit beginnen, die Innenstadt für uns alle ein kleines Stück lebenswerter und interessanter zu machen.

Eure Bertha Kessel

Etwas besseres als den Tod…

‚Ei was, du Rothkopf,‘ sagte der Esel, ‚zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musicieren, so muß es eine Art haben.‘ Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.“ aus „Die Bremer Stadtmusikanten“ (1850)
Vogelgrippe

(Bertha Kessel, „Vogelgrippe reloaded“ Mittwoch, 26.11.2014)

„Jena romantisch“ 2015. Ein schlechtes Märchen?

Wo sind die Ergebnisse des SFB 482 ´Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800`? Das Themenjahr „Jena romantisch“ 2015 als schlechte Märcheninszenierung (von Bertha Kessel)

„Das Licht wird nur der Mittelpunkt, von dem
aus ich mich in mancherlei Richtung zerstreue.“
Novalis an Fr. Schlegel im Dez. 1797.

Die ehemalige ABM-Kraft und spätere Werkleiterin des Eigenbetriebs JenaKultur Dr. Margret Franz plant seit geraumer Zeit das Themenjahr „Romantik – Licht – Unendlichkeit“. Obwohl im Ruhestand, braucht sie für das Vorhaben 250.000 Euro, damit im gesamten Jahr 2015 Jenaer, Jenenser sowie Gäste der Stadt Jena vom Romantischen fasziniert werden. Es geht um „die Vermarktung der Jenaer Frühromantik“, darum, eine „eine eigene Marke [zu] kreieren und damit nachhaltig [zu] wirken.“ Jena will das geplante Themenjahr 2015 auf der ITB Berlin präsentieren und versucht, die Jenaer Frühromantik als Alleinstellungsmerkmal fürs Stadtmarketing nutzbar zu machen. Man wolle jährlich ein Novalis-Fest veranstalten. Schließlich habe die Romantik vor 200 Jahren ihren Ursprung in Jena genommen.

Um die finanzstarke Optik-Wissenschaft und Industrie einzubinden, weitere Fördergelder einzuwerben und das Label „Lichtstadt Jena“ mit Inhalten zu füllen, werden die Themen „Licht“ und „Unendlichkeit“ mit ins Programm eingebunden. Eine große Wissenschaftsshow, veranstaltet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im September 2015 mit Ranga Yogeshwar (laut einer Agentur beträgt seine Gage für eine Moderation ca. 15.000 Euro), soll das Themenjahr „Romantik“ abrunden.

Darf man Novalis (Friedrich von Hardenberg), von dem zwar auch ein „Traktat vom Licht“ als Fragment überliefert ist,
der jedoch vor allem als Autor der „Hymnen an die Nacht“ bekannt ist, als Botschafter des „Lichts“ missbrauchen? Kann Romantik als Marke etabliert werden, um damit Touristen anzuziehen?

Dieses Vorhaben ist letztes Jahr in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Bilder Caspar David Friedrichs hängen, gründlich schief gegangen. Museen, Tourismusverband und Landesmarketing starteten dort 2014 ebenfalls ein „Jahr der Romantik“. Deswegen kamen allerdings nur wenige Touristen.  Die landesweit angelegte Image- und Werbekampagne für die Romantik im Nordosten kostete viel, interessierte aber kaum jemanden.

In Jena, in dem das Stadtmarketing sich im nächsten Jahr auf die Frühromantik konzentrieren will, wurde die Zeit um 1800 in Zusammenarbeit von geistes-, kultur- und naturwissenschaftlichen Disziplinen jahrelang in einem Sonderforschungsbereich an der FSU untersucht. Ziel der Forschungen war „die Bestimmung der Gesamtkonstellation einer Überlagerung von Aufklärung, Klassik, Idealismus und Romantik.“ Eine faszinierende Überlagerung, die jetzt für PR-Zwecke wieder in griffige Einzelteile zerlegt werden soll (dies ist vor allem im Interesse der „Forschungsstelle Europäische Romantik Jena“ und der Anhänger der Anthroposophie, die in Novalis einen „Christusverkünder“ sehen).

Im Programm tauchen zwar ein paar bekannte Namen als Redner auf. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden offensichtlich nicht wahrgenommen und eingebunden. Die vom SFB 482 an der FSU geleistete präzise Beschreibung von Netzwerken und Diskussionszirkeln, den hier entstandenen Weltbildern, Weltdeutungen sowie Wissenschaften und Künsten taucht in der Programmplanung des Themenjahres nicht auf.

Was haben die Frühromantiker für das Stadtmarketing zu bieten? Die Stimmführerin der Frühromantik, Caroline Böhmer, beschrieb die damalige Kleinstadt Jena nach ihrer Ankunft spöttisch als „grundgelehrtes, aber doch recht lustiges Wirtshaus“. Später charakterisierte sie Jena ernüchternd als „kleine[s], vom Klatsch bestimmte[s] Mordsnest“.

Was sagte der „Dichter der Freiheit“ Friedrich Schiller, dessen Werk jahrzehntelang als „Ersatzrevolution für das liberale Bürgertum“ diente, über Jena? „Vielleicht war Jena, wie es vor 6, 8 Jahren noch war, die letzte lebendige Erscheinung ihrer Art, auf Jahrhunderte.“ (NA 32,63). Das schrieb Schiller 1803 an Wilhelm von Humboldt, der mit ihm gemeinsam in dieser Stadt gelebt hatte. Schiller meinte nicht Weimar, sondern Jena! Das war für ihn der Ort intellektueller Spannung, Verdichtung und philosophischer Höhenflüge. Jena ist die Stadt, in der Schiller in Auseinandersetzung mit Kant das Konzept der „Kulturnation“ entwickelte.

In Wenigenjena heiratete Schiller Lotte. Diese „Liebesgeschichte“ (in deren Mittelpunkt zunächst ein verarmter Dichter und zwei Schwestern aus Rudolstadt stehen) ist m.E. eine der spannendsten Liebesdramen der deutschen Geschichte. Die Trauung von Schiller und Lotte fand am 22. Februar 1790 in der Kirche Zu Wenigenjena statt. Hat schon jemand daran gedacht, Wenigenjena im Stadtmarketing zur Entwicklung touristischer Angebote (dort heiraten, wo Schiller und Lotte heirateten) auszubauen? Es wird ein Flyer für die ITB gebraucht? Warum wird Wenigenjena nicht als „Schillers Hochzeitseldorado“ vermarktet? „O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, der ersten Liebe goldne Zeit!“

Um 1800, am Ende des „Alten Reiches“, findet vor Ort die Genese des neuen Konzepts der „Nation“ statt. Die „Lebenswelt“, in der diese „Idee“ einer kulturellen Nationsbildung entwickelt wurde, konnte in jahrzehntelanger Forschung genau beschrieben werden. „Ideen“ werden nicht im luftleeren Raum entwickelt. Man darf nicht vergessen, dass Schiller zunächst zum Dichter vieler kleiner „Nationen“ wurde (und innerhalb dieser Kleinstaaten war auch Schiller ein Flüchtling. Was für Anknüpfungspunkte zur aktuellen Diskussion um Flüchtlinge würde sich hier ergeben).

1815 taucht im Zusammenhang mit Jena erstmals der Dreiklang „Schwarz-Rot-Gold“ auf. 1842 ist dieses Lied vom Auszug der Jenaer Urburschenschaft bereits ein Volkslied. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde diese Stadt, in der maßgebliche Impulse für das Konzept der „Nation“ entwickelt wurden, immer wieder zum Brennpunkt „nationaler Entgleisungen“.

Geistes- und Sozialwissenschaftler in Jena sind in der Lage, die Genese und Wirkung des Konzepts „Nation“, die Entstehung von Ideologien, die Pervertierung der Nation als Gemeinschaft von „Volk und Rasse“, die zwei deutschen Nationen nebeneinander, zu beschreiben und daraus Schlüsse zu ziehen bzw. die Erkenntnisse der Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach 25 Jahren wird unisono eine historische Aufarbeitung gefordert. Schiller und die Nation. Ein wirklich vermintes Gelände. Und warum ist es das?

Jena ist und soll nicht als „nationaler Erinnerungsort“ inszeniert werden. Aber hier entstanden Utopien. Jena ist die „Stapelstadt des Wissens“, in der sich wissenschaftlich und kulturell mit den Formen des Erinnerns von Menschen in der Vergangenheit auseinandergesetzt wird. Eine kritische Untersuchung wird zeigen, dass einige Teile dieser Utopien in ihrer praktischen Umsetzung die erst neu entstehenden Ideologien möglich machen.

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Im Moment sehen die Menschen vom Stadtmuseum aus den Bismarckbrunnen und dahinter eine „Schwarz-Rot-Goldene“ Fahne. Gerade die Historiker aus Jena haben in vielen Arbeiten gezeigt, dass diese preußische Sichtweise von „Blut und Eisen“ Quatsch ist und der Begriff der „deutschen Nation“ sich, gerade im Umfeld Jenas, viel früher herausbildet.

Eine Gesellschaft darf nicht die Anziehungskraft ignorieren, die der Begriff „Deutschland“ auf viele Menschen ausübt. Eine kleine Ausstellung im Stadtmuseum reicht da nicht. Im Jahr 2015 feiern die Burschenschaften in Jena ihren 200. Geburtstag. Nationalisten und rückwärtsgewandte Gruppen werden versuchen, diesen Jahrestag auszunutzen. Während sich die Wissenschaft auf transnationale Projekte eingeschossen hat, feiern auf europäischer und Landesebene die Nationalisten einen Wahlerfolg nach dem anderen. Viele Menschen suchen ihren Halt in (im 19. Jahrhundert!) entstandenen nationalen Einheiten. Aber was heißt „Nation“? Die Antworten, über die eine Gesellschaft sich immer wieder neu verständigen muss, braucht eine empirische Basis.

Die Ergebnisse der verschiedenen Forschungsprojekte bieten der Stadt einen „Schatz“ an, der an aktuelle Diskurse anknüpft. Gerade am Beispiel Jenas kann über die Risiken und Nebenwirkungen und die Weiterentwicklung des Konzepts der „Nation“ nachgedacht werden. Lieber Finanz-, Kultur- oder „sonst was“ für Ausschüsse: lasst uns 2015 überall auf den Beeten blaue Kornblumen aussehen. Dann erklären wir fragenden Menschen, was es mit dieser „blauen Blume“ auf sich hat.

Die Jenaer Kultur- und Geisteswissenschaften haben aber viel mehr zu bieten, als ein „romantisches Jahr“. Nach Schiller war hier in dieser Stadt zeitweiße das „intellektuelle Zentrum“ der Welt.

„Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden…“, führen Goethe und Schiller 1797 in den Xenien aus. Und nun haben wir einen Bismarckbrunnen, sind 2014 Fußballweltmeister und stehen vor der Herausforderung, ganz verschiedene Kulturen unter dem Dach „Deutschland“ zu integrieren. Liebe Kunst, liebe Wissenschaft, lasst uns da mal genauer hinschauen, was das Konzept der „Nation“ aktuell taugt. Friedrich Schillers Traum war, Wissenschaft, Kunst und Kultur zu vereinen. Stellt die Mittel von Jenakultur dafür zur Verfügung. Das wäre doch ein lohnendes Label. Nicht „nationaler Erinnerungsort“ sein; aber Jena ist die Stadt, in der sich besonders und kritisch damit beschäftigt werden muss.

Eine ältere These geht davon aus, dass Novalis sich bei der Pflege Friedrich Schillers mit Tuberkulose angesteckt habe. Derjenige, der im Stadtmarketing eigentlich an erster Stelle stehen sollte (Schiller), gibt evtl. dem heutzutage bekanntesten Vertreter der Jenaer Frühromantik Novalis den Rest? Eine interessante Erkenntnis.

Bertha K. und die Toiletten in Jena (Teil1)

Bertha K. und die Toiletten in Jena (Teil 1)

Die Stadt Jena hat die schönste Bahnhofstoilette!

Wusstet ihr das noch nicht? Jena ist mittlerweile überregional dafür bekannt, seit Jahren an Bahnhöfen keine Toilette zu haben. Die Deutsche Bahn AG hat sich aber in mehreren gerichtlichen Streitprozessen bestätigen lassen, dass sie an Bahnhöfen keine Toiletten anbieten muss. In denjenigen Kommunen, in denen das wirtschaftlich rentabel ist, haben private Anbieter das Betreiben von Sanitäranlagen übernommen. Berlin, Hannover und Köln haben ihren WC-Bestand komplett privatisiert. Es hat also fast unbemerkt eine Kommerzialisierung des Grundrechtes, eine Toilette benutzen zu dürfen, stattgefunden.

Viele Kommunen, nicht nur Jena, haben das Betreiben öffentlicher Toiletten als „freiwillige Leistung der Stadt“ weitgehend aus ihrem Haushalt herausgestrichen (anders ist es, wenn eine bestimmte Summe an Fördermitteln verbaut werden muss, wie das Beispiel der Toilettenanlage im „Paradies“ zeigt).

Keine Bahnhofstoilette in Jena? Das stimmt nicht! Im Jenaer Untergrund hat sich, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, ungeheuerliches getan. Direkt neben dem Bismarckbrunnen auf dem Jenaer Marktplatz, mitten unter dem „Filetstück“ der Stadt, betreibt der Kommunalservice Jena (KSJ) eine videoüberwachte, sehr gut gepflegte „Luxussanitäranlage“. Diese ist zwar für ältere und gehbehinderte Menschen wegen der vielen Treppenstufen kaum zu erreichen (außer ein wenig vertrauenswürdiger und oft funktionsloser Lastenfahrstuhl fährt in einer Zeit, in der man sich schon in die Hose gemacht hat, hinunter). Ist der Besucher heil unten angekommen, sind 50 Cent in kleinen Münzen fällig.

Toiletteeingang

Im Innenbereich der Sanitäreinrichtung haben die ausführenden Firmen an jeder einzelnen Kabinentür nochmals einen sicherlich die Gesamtkosten erhöhenden komplizierten Geldschließmechanismus verbaut. Offensichtlich konnte der Fehler im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden (wurden die Schließmechanismen trotzdem berechnet)? Jetzt wirkt dieses doppelte Geldschließsystem für jeden Toilettenbesucher wie ein Schildbürgerstreich. Alle haben ja bereits am Eingang 50 Cent bezahlt hat. Nun steht er/sie wieder an einem Geldschließautomaten. Zum Glück ist dieser aber bei keiner Tür in Betrieb.

Doch was ist das? Die Toilettenbauer/Innenarchitekten/Planer/Verwalter etc. ppp. haben direkt hinter dem Eingang eine täuschend echt wirkende „Jenaer Bahnhofstoilette“ nachgebaut. Inklusive einem durchrauschenden Fernzug. Da tut es doch gleich nicht mehr so weh, das Jena bald vom Fernverkehr abgehängt sein wird. Falls in ein paar Jahren jemand nostalgisch dem ICE nachtrauern sollte, dann kann er/sie sich auf die kleine, feine versteckte, videoüberwachte Bahnhofstoilette mitten auf dem Jenaer Marktplatz zurückziehen.

Wandgestaltung Toilette Jena

Wandgestaltung Toilette Jena

Jenas moderne, videoüberwachte, gutgepflegte Sanitäranlage neben dem Bismarckbrunnen ist immer einen Besuch wert. Der Eintritt beträgt nur 50 Cent. Menschen, die sich selbst als „Transgender“ bezeichnen, steht die Wahl der Kabinen männlich/weiblich frei. Kinder und Menschen mit Sehbehinderung werden gebeten, nicht die vielen Treppenstufen im Eingangsbereich hinunterzufallen.

In der nächsten Folge der Reihe „Bertha K. und die Jenaer Toiletten“ wird der Think Thank „PsyTaArt“ sein Toilettenkonzept, das finanziert, praktikabel und sozial gerecht ist, vorstellen.

Mit freundlichen Grüßen
Bertha Kessel

P.S. Ein freundlicher Kommentator hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei der Toilette um eine Kopie einer Pariser Metrostation handelt, die nach Jena benannt wurde. Die Stadt, die keine einzige öffentliche Bahnhofstoilette hat, kopiert eine französische Metrostation, obwohl Jena auch keine Metro hat und in Zukunft haben wird. Komische Welt.

Am 05.11.2014 war ein Schild angebracht. „Lift außer Betrieb.“ Die Toilette kann nicht mehr von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erreicht werden.

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Bertha K. und die Theaterszene in Jena

Die Welt brennt und die Kreativen verschlafen es. Das Kurztheaterspektakel in Jena enttäuscht.

Samstag, 11.10.2014

Als Anhänger der Theaterlandschaft in unserem beschaulichen „Paradies“ Jena stehe ich an diesem Samstag um 19 Uhr vor der Wahl. Soll ich zum Tag der offenen Tür ins Theaterhaus? Auf der Hauptbühne wird um 19 Uhr der Spielplan der Saison 2014/15 präsentiert.

Oder ist mir heute eher nach „jungem freien Theater“? Der Verein „Freie Bühne Jena e.V.“ lädt zum „Kurztheaterspektakel“ ein. Das findet diesmal zwischen Faulloch und Straßenbahndepot statt.

In Jena sind offensichtlich hauptamtliche und freie Kulturschaffende nicht in der Lage, gemeinsam ein Jahresprogramm zu entwerfen, um solche ärgerlichen Überschneidungen zu vermeiden.

Ich entscheide mich an diesem Abend für die Veranstaltung des „Freie Bühne e.V.“ in der Innenstadt. Wenn ich mir jetzt die Sponsoren der Veranstaltung anschaue, dann wird deutlich, dass diese Bühne gar nicht mehr so frei ist. Die Geldgeber der institutionalisierten und der freien Kulturprojekte sind fast dieselben. Irgendwann wird die freie Bühne bestimmt als Eigenbetrieb in der Stadt richtig integriert.

Ich komme am Johannistor und Faulloch an. Die Veranstaltung ist durch einen Polizeiwagen abgesichert. Mich verunsichert das. Die zehn Euro Eintritt können und wollen sich viele Menschen in dieser Stadt nicht leisten. Die Veranstalter haben mir eine Karte geschenkt, um über diesen Abend berichten zu können. Vielen Dank dafür. Aber mit dem für viele von uns zu hohen Eintrittsgeld grenzen die „freien Theatermacher“ viele Menschen sozial aus. Ich weiß es, da ich die meiste Zeit zu den Menschen gehöre, die sich kulturelle Veranstaltungen nicht leisten können. Wenn das Theater wirklich auf die Straße gebracht werden soll, dann sollte das nicht mit Absperrungen, Polizeiwagen, flächendeckender Videoüberwachung und Eintrittsgeld verbunden sein.

Das Ambiente am Faulloch ist ähnlich hergerichtet, wie der jährliche Mittelaltermarkt, nur nicht so schön. Als Schnecken verkleidete Schauspieler kriechen pünktlich um 19 Uhr zwischen den Besuchern umher. Ich vermute, den Zuschauern soll damit signalisiert werden, dass jetzt so etwas wie ein „Kulturprogramm“ beginnt.

Ein Farbpunkt auf der Eintrittskarte teilt das Theaterpublikum in verschiedene Gruppen auf. Ich folge ab jetzt einer geführten Märchentour. Meine Begleiterin hat einen goldfarbenen Ball in die Hand gedrückt bekommen und freut sich darauf, irgendwann den Frosch zu küssen. „Im grimmschen Original wird der Frosch aber an die Wand geworfen“, kläre ich sie auf und versaue damit alle modernen romantischen Varianten dieser Märchen, deren Darbietung mich an diesem Abend eher an einen Kindergeburtstag erinnert.

Mehrere Clowns mit roten Nasen begleiten die Zuschauer und sprechen unterwegs die Passanten an. Ich denke dabei an die Zeit mit einer Freundin zurück, in der wir genau das mehrmals auf der PsyTaArt-Bank in unserem Kiez gemacht haben. Wir haben nie daran gedacht, dafür zehn Euro Eintritt zu kassieren. Wir haben das eben gemacht. „Nur so. Einfach nur so“.

Angekommen auf dem Markplatz preist ein Prediger den Weltuntergang und kriecht dann in den Arsch, den die Theatermacher unserem verehrten Hanfried verpasst haben. Auch das ist für jemanden wie mich, der am 21.12.2012 (dem letzten vorhergesagtem Weltuntergang) nicht mehr in der psychiatrischen Tagesklinik, sondern woanders sein wollte, nichts Beeindruckendes.

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Im Stadtmuseum direkt nebenan findet gerade die Ausstellung „Heimatfront“ statt. 100 Jahre ist der Beginn des Ersten Weltkriegs her. Axel Doßmann nannte neulich auf einer Tagung die Anlage auf dem Friedensberg hier in Jena (mit der Inschrift „Die Toten der Kriege mahnen zum Frieden“) einen „Zeichenschlachtplatz“ und sprach sich für die Schleifung aus. In meinen Augen fängt unsere Welt jetzt gerade wieder an, zu brennen. Aber das alles geht offensichtlich an den Aktiven und Kreativen dieses Abends beim Kurztheaterspektakel vorbei.

Kann mich die Gruppe „Trott O Art“ (Jena) mit einem „Clowns-Geschichten-Karussell“ begeistern? Nein. Sie machen mich wütend (falls das die Intention war, dann ist dieses Ensemble sehr gut gewesen.) Über einen Weg, dem z.B. meine Bekannte, die sich in einem Rollstuhl fortbewegt, nie hätte folgen können, geht es zu einer improvisierten Bühne am Institut der Erziehungswissenschaft.

Dort sehe ich unreflektierte und für mich diskriminierende Theaterübungen mit einem Rollstuhl. Die Szene heißt „Im Museum“. Die Darsteller wissen offensichtlich nichts über die „Rollstuhlgerechtigkeit“ gerade hier im Stadtmuseum in Jena. Und in vielen anderen öffentlichen Gebäuden.

„Trott O Art“ (Jena)

„Trott O Art“ (Jena)

Wie es ist, am Boden zu liegen und nicht mehr aufstehen zu können, muss einigen unter uns nicht vorgespielt werden. Ich kenne Menschen, die das viel realistischer darstellen können. Sie können ihre Körper aufgrund einer Krankheit oder Verletzung nicht willentlich steuern. „Troit O Art“ sollten, wenn sie nicht bereit sind, sich tiefer in eine Thematik einzuarbeiten, in Zukunft solche sensible Themen umgehen.

In der nächsten Szene wird eine ältere Frau dargestellt. Offensichtlich will sie einem jüngeren Mann das richtige „Amen“ beibringen. Und auch hier denke ich an die Suche nach einem Halt in einer Religion, der für viele um mich herum gerade jetzt sehr wichtig ist. Mir kommen all die Herausforderungen in den Sinn, die auf uns zukommen, wenn wir andere Kulturen für unser bewährtes Prinzip der Trennung von Staat und Kirche begeistern wollen.

Haben „Troit to Art“ das gemeint? Den Krieg, der sich viel zu oft über Religion definiert? Ich glaube, diese Realität, die ich gerade erlebe, ist an dem Ensemble völlig vorbeigegangen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, ein paar wunderbar zelebrierten Ordnungswidrigkeiten (Bemalen von Verkehrsschildern mit Edding) landen wir im alten Straßenbahndepot. Das könnte auch eine tolle Lokation für kleinere Konzerte sein. Doch die weitläufige Atmosphäre wird gestört durch zwei separate Bühnenaufbauten und die zwei dazu gehörenden Zuschauerränge. Das heißt für mich: schnell einen sicheren Platz am Anfang und zwischen den Bühnenwechseln ergattern. Keine Chance besteht da für Rollis, Rollatoren und Rentner. An die Bar kommt auch keiner von denen. Wenn sowas alternatives Theater auszeichnet, gefällt es mir nicht.

Face to Face With (Leipzig) sitzen in einem Haus aus Kabeln. Dem ersten Stück kann ich nicht folgen. Hellhörig werde ich, als kurz das Thema „Suizid“ thematisiert wird. Hat sich doch gerade der langjährige MDR-Intendant Udo Reiter so verabschiedet. In einer MDR-Show springen daraufhin die Playbacks zu einem Lied, in dem gesungen wird: „Wir leben jetzt, wir leben laut, wir wollen mehr, wir drehen auf….“.

Doch die Szene auf der Bühne im Straßenbahndepot endet, indem die beiden Schauspieler wie Gorillas brüllen und die Bühnendekoration zerlegen. Hätten die Planer des Kurztheaterspektakels die Reihenfolge der Stücke an diesem Abend umgedreht, dann hätten sie alle unterschiedlichen Bühnenbilder auf einer Bühne realisieren können.

Nach dem m.E. unsinnigen Bühnenwechsel steht Olav Amende (Leipzig) mit einem „Phantasiestück“ auf dem Programm. Mit einem beeindruckenden Schattentheater wird Hass, Verrat, Mord, Verletzungen und Liebe dargestellt. Dazu hört das Publikum im Straßenbahndepot verzerrte Audiofetzen. Na endlich. Die junge Theaterszene nähert sich der Wirklichkeit. Und wenn es an diesem Abend auch nur Schatten sind. Die Körperspannung der beiden männlichen Darsteller zu beobachten, ist beeindruckend.

Danach folgt „Vier Volt“ (Leipzig). „Abwechslungsreich, mit Spannung geladen, Funken sprühend, zum Leuchten bringend und unter Strom stehend“ verspricht das Programm. Ich sehe Darsteller, die auf Zuruf des Publikums Szenen nachspielen. Hier nennt sich das an diesem Abend sicherlich Improvisationstheater. Ich habe dieses Spiel aber schon auf einigen Partys schöner erlebt. Draußen soll dann irgendwo noch ein Wal unterwegs sein. Ich und dieses Theater sind an diesem Abend nur selten in der Lage, in Kontakt zu treten.

Wo steht das Junge Theater? Die freie Bühne e.V. und ihre Leipziger Freunde sind hoffentlich nicht alles, was an kreativem Potential in den Herzen junger Menschen brodelt. Ich weiß, auch Jenakultur ist nicht alles an kulturellem Potential in dieser Stadt. Wir stehen noch am Anfang. Wir werden miteinander reden. Das ist gut. Bringt das Theater auf die Straße. Dann aber richtig. Ich helfe euch dabei.

„Auf mich wartet etwas besseres“, sage ich zu einer Bekannten und verlasse so schnell wie möglich die Lokation.

Bertha und die AfD. Wie schnell jemand zum Antisemiten wird (Teil 2)

Ursprünglich sollte in dieser Serie „Bertha K. und die AfD“ das „völkische Denken“ im Wahlprogramm des Thüringer Ablegers der „Alternative für Deutschland“ (AfD) thematisiert werden. Und dann das. Die Brandenburger AfD befindet sich trotz Wahlerfolgs im Aufruhr. Im Zentrum steht mein geschätzter Gesprächspartner Jan-Ulrich Weiß.

Der Stiefsohn des Landespartei- und Fraktionschefs Alexander Gauland, Stefan Hein, hatte im Wahlkampf interne Papiere an den Spiegel weitergegeben. Der Haussegen hing sicherlich schief. Hein gab daraufhin öffentlich den Mandatsverzicht bekannt und wurde auch innerhalb der AfD isoliert. Nachrücken sollte laut Liste der siebenfache Familienvater Jan-Ulrich Weiß aus Templin (im ersten Teil dieses Artikels wurde beschrieben, was dann passierte).

Noch bevor irgendjemand mit Weiß geredet hatte und die AfD-Basis geklärt hat, wer das Mandat vertreten soll, verkündet Stefan Hein nun überraschend den Rücktritt vom Rücktritt und begründet seine Entscheidung gegenüber dem „Leitmedium der Neuen Rechten“ (SZ), der „Jungen Freiheit“ damit, dass er den Einzug des umstrittenen Nachrückers Weiß verhindern will. An diesem Problem landespolitischer Parteischarmützel kann die AfD Brandenburg zeigen, dass ihre Basis demokratisch entscheidet und nicht allein ein Landes- oder Bundesvorstand.

Und das eigentliche Problem? Der Vorwurf des Antisemitismus? Gerade im Web 2.0 stolpern immer mehr gewählte Politiker und Parteien über das Thema. Entweder werden sie, ideologie- und globalisierungskritisch, wie sie eben sind, vom rechten Rand vereinnahmt. Ein anderer zu schnell gedrückter „Like“ in einem sozialen Netzwerk führt schnell dazu, dass jemand als „Judenhasser“ verunglimpft wird.

Wie kann man die Politik des israelischen Staates kritisieren, ohne als Antisemit zu gelten? (für dieses Problem gibt es mittlerweile Broschüren). Dennoch kommt es immer wieder zu unheilvollen, oft ungewollten Allianzen zwischen Montagsdemonstranten, Eso-Nazis und Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und Kultur bsp. im Nahen Osten mit einem antiisraelischen Weltbild sozialisiert wurden.

Beim Versuch, das ganze so transparent wie möglich in der Öffentlichkeit aufzuklären, reden Antisemiten und Antiantisemiten in ihren Kommentaren meist über eine von Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die ihren Ausdruck in der nationalsozialistischen Ideologie fand, die bis 1945 vom NS-Regime propagiert wurde. Die Schreiber, egal ob rechts oder links, nutzen dabei dieselben Stereotype und Quellen, wie diejenigen, die in Deutschland in den dreißiger und vierziger Jahren industriellen Massenmord durchführten. Muss das nicht den Opfern des Holocaust und ihren Hinterbliebenen wie eine Verhöhnung vorkommen?

Oft wissen diejenigen, die über Antisemitismus reden, nichts über die europäische Antisemitismusforschung nach 1945, die Kriterien antisemitischer Hetze erarbeitet, die im 21. Jahrhundert wichtig sind.

Niemand scheint sich mehr an die Goldhagen- oder die „Walser“- Debatte zu erinnern. In den Diskursen geht es nicht um aktuelle antisemitische Straftaten oder das Problem des notwendigen friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen mit islamischem, christlichem und jüdischem Hintergrund. Sondern um persönliche Meinungen und Vorwürfe. Ist die seit 1989 gezeigte Simpsons-Figur „Monthy Burns“ eine „antisemitische Karikatur“ im Stile des zeitgenössischen Nazihetzblattes „Stürmer“, wenn sie mit dem Namen des Bankhauses Rothschild in Verbindung gebracht wird? Da muss uns erst ein Altmeister wie Harald Schmidt zeigen, was möglich ist, wenn wir offen miteinander reden.

Jetzt ist es aber an der Zeit, mit Jan-Ulrich Weiß zu reden.

Bertha K: Was hat dich zur Kandidatur für die AfD bewogen?

Jan-Ulrich Weiß: Wenn man will, dass etwas gelingt, dann muss man auch selber was machen. Mich persönlich beschäftigen sehr die Themen „Situation der Großfamilien“, Demographischer Wandel und Landwirtschaft, da ich von dort komme. Die normalen Bürger sind in der Politik nicht vertreten. Wie ist es, einen kleinen Betrieb in Klaushagen in der Uckermark am Laufen zu halten? Ich bin ein Typ, der Probleme wieder ansprechen möchte und sie beim Namen nennt. Saubere und familientaugliche Landwirtschaft, das ist mein Spezialgebiet.

Bertha K.: Wie kam es zu dem angeblich antisemitischen Eintrag auf deinem Facebookprofil, das dann verbreitet wurde, als du für die AfD ein Mandat im Brandenburger Landtag annehmen solltest? Das wird auch hier von manchen als antisemitische Äußerung verstanden.

Jan: Die Fotomontage hab ich lediglich angeschaut und fand sie in dem Moment passend. Also habe ich sie für gut befunden und „gefällt mir“ gedrückt. Ich hatte das selbst aber niemals hochgeladen, noch geteilt, verbreitet oder sonst irgendeinen Schwachsinn. Ich kann auch keinen Bezug zur Zeitung „Der Stürmer“ feststellen, weil ich diese Zeitung nicht lese. Ich sehe auch keine „Weltverschwörung“, weil die Interessen der Finanzindustrie längst durch große Koalitionen und überstaatliche Organisationen (EU, EZB) nicht geheim, sondern ganz offen vertreten werden. Eine geheime „Verschwörung“ ist nicht mehr nötig. Auch dieses Wort finde ich nicht in der Karikatur.

Bertha K: Die AfD hat dich aus der Fraktion ausgeschlossen und auch ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Gleichzeitig verkündet der Stiefsohn des Landeschefs Gauland, dass er nun doch sein Mandat annehmen möchte, das er ja zunächst öffentlich abgedrehten hatte. Wie geht es weiter? Seid ihr als AfD nicht die angebliche „BasisPartei“?

Jan: Ich werde sehen, wie man aus dem ganzen ein Ausschlussverfahren machen will. Ich soll nur das Bauernopfer für ganz andere Dinge sein. Wir sind in Brandenburg, wie auch in anderen Bundesländern, unzufrieden mit der Satzung. Der Landesvorstand sieht das anders. Ich habe für die AfD einen erfolgreichen Wahlkampf gemacht und stehe nach wie vor zu ihren Zielen. Jetzt fühle ich mich aber von der Parteispitze nur noch verkauft und beschissen. Ich habe aber Rückhalt in der Basis, für die ich den Wahlkampf gemacht habe. Diese Leute möchte ich in Potsdam vertreten. Die brandenburgische Partei ist noch gesund, also nahe an den Bürgern. Und die werden das hoffentlich entscheiden.

Bertha K.: Gab es eigentlich Avancen vom „rechten Rand“, als sich der Landeschef Gauland von dir distanzierte?

Jan: Die NPD hat mich natürlich angeschrieben und mich gefragt, ob ich mit ihr reden würde. Daran besteht kein Interesse. Dieser rechtsextremen Partei werde ich mich nicht anschließen.

Bertha K.: Jetzt mal ehrlich. Bist du ein „Judenhasser“, wie die Bild geschrieben hat?

Jan: Ich interessiere mich für Geschichte und da spielt auch immer wieder das Bankenhaus Rothschild eine Rolle. Die Rothschilds schreiben auf ihrer Seite selbst, wie sie zwischen 1820 und 1850 das europäische Bankensystem aufmischten. Aber ich bin kein „Judenhasser“ oder Antisemit. Ich für meine Person weise als bekennender Christ die Geisteshaltung des „Antisemitismus“ aufs schärfste zurück. Sogar die evangelische Kirche in Templin beeilte sich, sich von mir abzugrenzen. Aber ich stehe voll zu meiner geistigen Einstellung: „Widerstand gegen den menschenverachtenden und unersättlichen Machtanspruch der globalen Finanzindustrie“. Das sehe ich als meine Pflicht.

Bertha K.: Die Familie Weiß hat doch sicherlich selbst auch jüdische Vorfahren?

Jan: Natürlich habe ich mit dem Nachnamen „Weiß“ auch jüdische Zweige in meiner Familie, andere Verwandte heißen Rosenthal. Aber darum geht’s hier doch gar nicht. Ich habe nichts, aber auch gar nichts mit Nationalismus, mit Rechten und mit Antisemiten am Hut. Wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich alles bin, aber definitiv kein Nationaler oder Antisemit. Dieser ganze ideologische Kram hilft uns doch nicht bei unseren aktuellen Problemen weiter. Moslems, Christen und Juden werden gegeneinander aufgehetzt und dann versuchen noch einige, den Holocaust mit ins Spiel zu bringen. Und auch die Bankenkrise ist noch lange nicht vorbei. Ich möchte jetzt als Landtagsabgeordneter Politik machen und nicht für etwas diffamiert werden, was einfach nicht stimmt.

Bertha K.: Und da war dann noch der Vorwurf, du hättest auf Facebook den NSU-Prozess als „Schauprozess“ verunglimpft?

Jan: Ja. Die Zustimmung zur Bezeichnung „Schauprozess“ für den laufenden Prozess gegen Beate Zschäpe in Bayern will man jetzt als weiteren Beleg für meine angeblich nicht AfD-konforme Geisteshaltung benutzen. Was sagt denn die Öffentlichkeit? Als wenn das nur Nazis sagen würden. Dabei wundern sich nicht nur Thüringer Landtagsabgeordnete über das Chaos und die Rolle der Geheimdienste. Wer weiß, was da alles noch ans Licht kommt. Ich finde diesen Prozess, wie er jetzt läuft, eine Schande für die deutsche Justiz. Wenn ermordete Mitbürger für einen solchen Zweck instrumentalisiert werden, dann kann ich nur bei allen direkt betroffenen Mitmenschen um Entschuldigung bitten.

Ich danke dem Jan für dieses Gespräch und bleibe weiter dran. Bertha Kessel

Bertha und die AfD. Wie schnell jemand zum Antisemiten wird (Teil 1)

Wer die vergangenen Artikel von mir, Bertha Kessel, kennt, der weiß, dass ich Antifaschist bin. Hingewiesen habe ich auf jahrzehntelange Versäumnisse im Umgang mit der Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes. Ich beschäftige mich kritisch mit dem Landeswahlprogramm und den Ansichten der AfD Thüringen.

Und ich werde mich mit Jan Ulrich Weiß unterhalten. Jans Geschichte geht gerade in den Medien rum. Er ist einer der aus der Fraktion der AfD Brandenburg ausgeschlossenen Landtagsmitglieder.

„Politiker Jan Ulrich Weiß hetzt auf Facebook gegen Juden“ titelte die „Bildzeitung“. Andere Medien folgten. Auch die AfD Brandenburg, die sowieso gerade dabei ist, gewählte Mandatsträger kalt zu stellen, ist unter denjenigen, die Weiß als Antisemiten brandmarken. Brandenburgs AfD-Chef Gauland schmiss ihn aus der Fraktion und erklärte dazu: „Das ist eine Karikatur im Stil des ´Stürmers`. Das ist für ein Mitglied der AfD und einen unserer Mandatsträger völlig inakzeptabel! Ich bin entsetzt über das Verhalten von Herrn Weiß.“

Brandenburgs Grüne, die Linksfraktion, auch die SPD forderten umgehend den Mandatsverzicht des AfD-Abgeordneten. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel kündigte an, Strafanzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung zu erstatten. Nach „fremdenfeindlichen Ressentiments kommen nun auch noch unverhohlener Antisemitismus und rechtsextreme Verschwörungstheorien zum Vorschein“, so Vogel.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ist nach den Meldungen besorgt über antisemitische Vorfälle bei der AfD.

Wie nahm diese Geschichte eine solche Dynamik an, dass selbst die AfD eine politische Auseinandersetzung, wie ich selbst sie in der Vergangenheit mit Jan immer führen konnte, verweigert?

Mitte September 2014 in Brandenburg: Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag, Andreas Büttner, ist sauer. Die FDP war mit dem Slogan „Keine Sau braucht die FDP“ in den Wahlkampf gegangen und flog nun aus dem Brandenburger Landtag raus. Stattdessen musste der Polizist Büttner miterleben, dass jemand anderes aus seiner Heimatstadt Templin über die Liste der AfD in den Potsdamer Landtag nachrückte. Tage später wurde Büttner folgende Karikatur zugespielt, die auf der Facebookseite von Jan gepostet war.

 

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In diesem Bild sehen Andreas Büttner, die AfD, die „Bildzeitung“ und viele andere eine antisemitische Verunglimpfung und sprechen ihr Urteil aus. Die „Bild“ hatte ihre Schlagzeile, die Kleinstadt Templin war entsetzt. Nur wenige kannten die Karikatur, die zu sehen war. Die allerwenigsten kennen die Hintergründe. Jan selbst kam nicht zu Wort.

Auf dem Screenshot, den Büttner von der fremden Facebookseite bekam, sind zwei Fotos von Jacob Rothschild, einem britischen Investmentbanker und Mitglied der bekannten Bankiers-Familie Rothschild, zu sehen. Weiterhin ist ein Bild abgedruckt von Montgomery Burns, dem reichsten und mächtigsten Mann in Springfield in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“. Burns dient in der Serie als Klischee des bösen und unsympathischen Kapitalisten.

Bis jetzt sehe ich keine Karikatur im Stil des „Stürmers“, lieber AfD-Chef Gauland. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch nie in dieser Zeitschrift „Stürmer“ gelesen habe. Die Figur des Montgomery Burns in der Serie sieht genauso aus, wie auf der Montage. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Zeichner Matt Gröning keine antijüdischen Klischees verbreiten wollte. Sicherlich wurden die realen und Comicbilder nebeneinander gestellt, da auch mir als linksalternative Bloggerin die Ähnlichkeiten auffallen zwischen Jacob Rothschild und Mr. Burns.

Im dazugehörigen Text wird eine Verschwörungstheorie angedeutet, die leider viel zu oft von Antisemiten und Neonazis instrumentalisiert wird. Die Familie Rothschild ist seit dem Beginn ihres großen Einflusses auf die europäische Wirtschafts- und Politikgeschichte das Ziel von Karikaturen, polemischen Schriften, Hetzkampagnen und Verschwörungstheorien.

Oft steckt dahinter verdeckter Antisemitismus, aber nicht immer. Junge Leute treffen sich an Stammtischen, die sich z.B. „Alles Schall und Rauch“ nennen. Wir alle wissen, dass sich die Finanzmittel der Welt in den Händen einer immer kleiner werdenden Elite befinden. Weiterhin ärgern wir uns, dass wichtige Entscheidungen, die auch unser Leben betreffen, oft nicht mehr in gewählten Parlamenten, sondern in intransparenten Machtzirkeln wie den Bilderberger-Konferenzen oder auf EU-Ebene geheim verhandelt werden.

Ich glaube, wir sind uns auch alle einig, dass irgendwer Kapital aus den vielen Kriegen zieht. Eine der vielen Verschwörungstheorien beleuchtet das Handeln der europäischen Bankiersfamilie Rothschild in der Geschichte kritisch. Diese hätten sich mit der amerikanischen Unternehmerdynastie Rockefeller zu einer geheimen Weltregierung zusammen getan. Und jetzt unterscheiden sich die Verschwörungstheorien von den ekligen, hetzerischen Weltverschwörungstheorien, die Nazis früher und heute jüdischen Mitbürgern vorwerfen.

Warum folgen dann die unqualifizierten Kommentare von allen Seiten? Die Rockefellers sind keine jüdische Familie. Man kann das alles natürlich für Spinnerei halten. Verschwörungstheoretikern könnte vorgeworfen werden, einfache Antworten auf komplexe Frage zu suchen. Das ist jedoch auch in der Politik oft Alltagsgeschäft. In diesem Kontext sehe ich keinen Antisemitismus. Und erst recht keine Volksverhetzung.

Aus diesen Diskussionsforen stammt die Karikatur, die den abgewählten FDP-Mann und dann alle anderen so erschreckte. Dieses Bild zeigt den europäischen Teil der angenommenen Weltverschwörung. Auf der anderen Seite steht der amerikanische Teil der Rockefellers.
Natürlich sind wir uns der möglichen Instrumentalisierung eines Teils unserer Hypothesen, die nicht antisemitisch, sondern kapitalismus- und globalisierungskritisch sind, bewusst. Es tut weh, wenn Menschen sich unbeabsichtigt angegriffen fühlen.

Wir lassen es nicht zu, dass die reale Gefahr antisemitischer Tendenzen (auch zunehmender „Islamophobie“) von Parteien wie AfD, Linken und Grünen, der Bildzeitung und allen anderen, die sich vorschnell ein Urteil bilden, ausgenutzt wird. So wird der wirkliche Kampf gegen „braune Weltbilder“, gegen völkisches Denken, gegen Sozialdarwinismus, gegen soziale Ausgrenzung anderer Kulturen und Meinungen, unglaubwürdig.

Und deshalb spreche ich jetzt mit Jan und frage ihn selbst.

Beim nächsten mal bei „Bertha Kessel und die AfD“.

Fahndungsfotos auf Facebook (und die totale Überwachung)

Fahndungsfotos auf Facebook (und die totale Überwachung)

Zunächst zum oberen Beitragsbild mit dem haarigen Hintern. Das ist nicht meiner. Das war eine Kunstaktion, über die ich berichtet habe. Aber gehören nicht alle unsere Ärsche der Stadt Jena? Wir sollten dringend darüber reden, warum Polizei und Medien im Falle von Fahndungen mit Überwachungsfotos nicht das beachten, was jeder Jugendliche heutzutage wissen soll: das Internet vergisst nie.

Fahndung

Auf dem Bild ist meine Facebook-Timeline zu sehen. Im oberen Eintrag meldet der Account der „Welt“, dass Tatverdächtige sich gestellt hätten und deshalb die Gesichter auf den Bildern verpixelt werden. Direkt darunter werden mir andere Nachrichtenlinks empfohlen. Auf den kleinen Bildern dazu sind die Gesuchten jedoch nach wie vor gut zu erkennen. (ein Mitarbeiter meiner IT-Abteilung hat diesen Screenshoot nachträglich für diesen Beitrag anonymisiert, sodass ich mich nicht unfreiwillig an dieser „Hexenjagd“ beteiligen muss.)

Machen offizielle Fahndungsfotos der Polizei die öffentlichen Fahndungsaufrufe besser oder schlechter? Ist da nicht gleich das Urteil der sozialen Brandmarkung gefällt? Wozu brauchen wir dann noch Richter? Es lohnt sich, bei diesem Vorgehen genau das Für und Wider zu diskutieren. In den USA gibt es Karten und Listen, in denen aufgeführt wird, wo Menschen wohnen, die ein Sexualverbrechen begangen haben. In den Augen vieler Eltern ist das sehr gut. Es hat aber auch das Leben eines 17 Jährigen ruiniert, der seine 15 Jährige Freundin geküsst hat.

Wo sind die Geisteswissenschaftler, die über so etwas nachdenken, wie unsere Gesellschaft dadurch verändert wird? Was ist mit dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten?“

Die Fahndung mit Fotos von Überwachungskameras erinnert mich sehr an den wilden Westen und die Zettel „Wanted. Dead or alive“. In Jena „kackt“ jemand in die Straßenbahn? Kein Problem. Das Foto wird mit der ganzen Welt geteilt. Am nächsten Tag meldet sich der „Täter“ und bezahlt reumütig die Reinigung der Sitze.

Was ist eigentlich mit dem Recht am eigenen Bild bei Überwachungskameras? Wie reagieren wir, wenn Menschen zu unrecht sozial gebrandmarkt werden oder nach denen nach einer erfundenen Geschichte gefahndet wird?

Wir alle werden in der Innenstadt und in den Straßenbahnen Jenas fast flächendeckend mit Videokameras (auch von Geschäften, Banken etc.) überwacht und unser Leben aufgezeichnet. Die Technik für diese Überwachung wird von Firmen wie der Carl Zeiss Jena GmbH (4,2 Mrd.. Umsatz) oder der Jenoptik AG (ca. 600 Millionen Umsatz) hergestellt. In ihren Stipendienprogrammen fördern diese Unternehmen mit Millionen Studien aus dem technischen und naturwissenschaftlichen Bereich. Sie geben viel Geld für ein großes PR-Getöse (wie z.B. gerade in der Goethe-Galerie) aus. Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert aber keine geistes- und sozialwissenschaftlen Forschungsvorhaben.

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125 Carl-Zeiss-Stiftung. Präsentation in der Goethe-Galerie in Jena.

Die Vorschläge unseres Think Tanks:

1. Polizei und Medien entwerfen zusammen eine Warnmeldung. Sie schildern den Vorwurf, erklären in den sozialen Medien, warum es wichtig ist, die Tat aufzuklären, warnen, dass sie gestochen scharfe Aufnahmen haben von Menschen, die so und so aussehen. Diesen Beschuldigten wird dann (x) Tage Zeit gegeben, sich den Tatvorwürfen zu stellen. Nur im allergrößten Notfall bzw. nach vorheriger Warnung werden Fotos von Tatbeschuldigten (es sind ja noch keine Täter ohne Verhandlung und Urteil) in sozialen Medien verbreitet.

2. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Jenoptik AG spenden jeweils eine Million Euro an das Historische Institut in Jena für ein neues Forschungsvorhaben. Der Arbeitstitel lautet: „Wahrheit ruiniert. Überwachung in der Geschichte. Von der Mainzer Untersuchungsbehörde bis zu Edward Snowden.“

Eure Bertha Kessel und ihr Think Tank

Das Wahlprogramm der Thüringer AfD unter der Lupe (Teil 2)

Das Wahlprogramm der Thüringer AfD unter der Lupe (Teil 2)

Nach meiner Auseinandersetzung mit der Präambel des Wahlprogramms der Thüringer AfD folgen nun ein paar Vorbemerkungen, die wichtig sind, um die Ernsthaftigkeit der politischen Ziele der AfD Thüringen im Landtag einschätzen zu können.

Der realexistierende Marxismus ist seit 1989 bankrott. Die Partei, die von sich behauptete, die liberale Stimme im Land zu sein, hat sich selbst demontiert und ist nun auf parlamentarischer Ebene in Thüringen und im Bund nicht mehr vertreten. Kapitalistische Auswüchse und ihre Folgen wurden den Bürgern im Zuge der Finanzkrise der letzten Jahre schmerzhaft spürbar.

Seit 1871 versuchen sich die Deutschen am Projekt „Parlamentarismus“. Immer wieder wurde dieses „andauernde Experiment“ durch totalitäre Systeme unterbrochen. Auch die Demokratie wurde diesem Land nicht in die Wiege gelegt. Seit 1990 gilt auch in Thüringen das Grundgesetz. Viele der in Erfurt in der Politik Tätigen sind nun seit fast 25 Jahren fest auf den Bänken und Posten des Parlaments.

Um uns herum scheint sich die Welt immer schneller zu wandeln. Jeden Tag prasseln Meldung über Finanzkrisen, Umweltkatastrophen, Seuchen und Kriege auf die Bürger ein. Die Zahl der Flüchtlinge steigt unzweifelhaft. Die Machtlosigkeit unserer Repräsentanten, ein Ausspionieren ihrer Bürger zu verhindern, macht viele traurig und wütend.

Das globalisierte Finanzsystem durchschauen nur noch wenige von uns (auch wenn der zukünftige AfD-Landtagsabgeordnete Olaf Kießling als Finanz- und Versicherungsmakler den Menschen viel erklären könnte, womit der sein Geld verdiente. Er könnte den Bürgern sagen, dass z.B. der Allianz-Versicherung nationale Grenzen ziemlich egal sind etc).

Die Gleichgültigkeit und Unzufriedenheit über unser politisches System der parlamentarischen Demokratie, in dem sich viele nur unzureichend vertreten fühlen, wächst. Entweder gehen die Bürger gar nicht mehr zur Wahl, wie fast die Hälfte der Thüringer Wahlberechtigten. Mehr als 10 % derjenigen, die zur Wahl gegangen sind, greifen das Angebot der AfD von einer „Denkzettelwahl“ auf. Auch die AfD Thüringen ist mit einer Mischung aus Populismus und dem Schüren von Ängsten vor Fremdem und Veränderungen erfolgreich.

Dass auch ich einige Entwicklungen für untragbar halte, darüber habe ich geschrieben. Das ist das Schöne an unserer offenen Demokratie, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung im Grundgesetz verbrieft ist. Es gibt einen Meinungspluralismus und das unterscheidet unser politisches System von fast allen anderen vor 1989. Fragt doch mal Thilo Sarrazin. Der ist inzwischen Multimillionär, allein durch seine Buchverkäufe.

Den meisten Wählern der AfD gefällt m.E. Deutschland. Mir auch (in manchen Dingen, nicht in allen).
Seit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft dieses Jahr ist der Umgang mit den Farben „Schwarz-Rot-Gold“ entgültig völlig unverkrampft.
Jeder, der sich als Patriot fühlt, darf das, kann darüber schreiben und für seine Einstellung werben. Alles kein Problem mehr heutzutage. In der Jenaer McDonalds-Filliale laufen Werbespots der Bundeswehr, die noch viel patriotischer wirken, als alle „gegen Deutschlandfeindlichkeit“ oder „Patriotischen Plattformen“-Gruppen auf Facebook zusammen.

Die zukünftigen Abgeordneten der AfD dürfen in sozialen Netzwerken ihr Idol Eva Herman „liken“, weil die angeblich etwas gesagt hat, was keiner sagen darf. Und die „Systemmedien“ würden es verschweigen (Leute, ihr nutzt doch auch Blogs und youtoube, oder nicht? Ich weiss, dann kommt immer die Meldung, dass die Netzwerke das sperren würden, aber ich habe hier drei Screenshots, in denen einer von euch das ankündigt, Und was passiert? Nichts.) Was soll also diese Stilisierung als Gejagte, Verfolgte und Opfer?

Die Eva Herman darf sogar 21 Tote der Love Parade und ihre Familien verunglimpfen, indem sie auf ihrem Blog schreibt: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen[…] Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“

Die AfD ist in diesem Landtagswahlkampf, in dem es allen Parteien schwerfiel, Lösungsvorstellungen für komplexe Herausforderungen der Zukunft den Menschen zu erklären, vor allem mit sehr einfachen Forderungen aufgetreten:

Neben der Abschaffung des Euro waren dies z.B. Plakate mit dem Schriftzug „Keine Denkverbote“. Es gibt jedoch keine „Denkverbote“ (außer innerhalb der AfD). Wer hat den Mitgliedern und Sympathisanten der AfD verboten, zu denken? Ich weiß, dass wenig Zeit war, ein Programm für die Landtagswahl zusammenzustellen, welches mehr enthält, als nur die Forderung, den Euro abzuschaffen. Aber im nächsten Artikel an dieser Stelle werde ich über das Landtagswahlprogramm schreiben. Keine Angst. es sind nicht viele Seiten. Vor allem die Juristen unter den AfD-Abgeordneten müssen sich dann Fragen gefallen lassen, ob sie bei der Formulierung genug „mitgedacht“ haben.

Die AfD fordert immer wieder die Durchsetzung freier Meinungsäußerung. Aber es herrscht freie Meinungsäußerung (mit bestimmten Grenzen z.B. Leugnen des Holocaust oder Beleidigungen). Ich bin wirklich ein großer Fan dieses offenen, demokratischen politischen Systems (nicht unseres sozialen Systems). Auf diese freie Gesellschaft musste die Generation meiner Eltern viel zu lange verzichten. Und was seit 1989 für ein vereinigtes Deutschland gilt, das muss bewahrt und weiterentwickelt werden.

Ich registriere, dass beispielsweiße der zukünftige AfD-Landtagsabgeordnete Siegfried Gentele in seinem Wahlkreis die Ängste der Menschen vor einer Stromtrasse aufgenommen hat. Das ist ein komplexes Problem, das von allen Parteien ernst genommen werden sollte. Wir sind uns hoffentlich mehrheitlich einig darin, dass keiner ein Atomkraftwerk in Thüringen haben möchte. Die Konzepte, wie der durch die Windräder in der Nordsee gewonnene Strom nach Mitteldeutschland gelangen soll, gehen dagegen auseinander und müssen debattiert werden.

Manchmal macht es aber auch Angst, was Siegfried Gentele da von anderen Nutzern in sozialen Netzwerken teilt. Am 18. April teilte er etwa das Foto eines kleinen Mädchens, dem sichtbar körperliche Gewalt angetan wurde. Die Privatspähre dieses Kindes, dessen Gesicht natürlich nicht verpixelt wurde und deutlich zu erkennen ist, ist dem AfD-Mann offensichtlich völlig egal. Und natürlich wird alles, ohne das Kind zu fragen, öffentlich gemacht. Entweder geschieht dies aus Absicht oder aus Unkenntnis, mit sozialen Medien umzugehen.

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Siegfried Genteles Facebookprofil. Im Original dieser Meldung ist das Foto des kleinen Mädchens mit Spuren von Gewalt im Gesicht unverpixelt.

An anderer Stelle steht auf der Pinnwand, zwar nicht von Gentele selbst gepostet, aber geteilt und unkommentiert: „Oh wie dumm sind deutsche Politiker und wann werden die ersten gerichtet, egal durch wem auch immer!“ Weiter heißt es im dem Text: „Weil der Mopp vergisst niemanden auch nicht den kleinsten Bürokraten, der kein Arsch in der Hose hat.“ Als historisch interessierter Mensch kommen mir sofort die Morde z.B. an Walther Rathenau oder auch Rosa Luxemburg in den 1920er Jahren in den Sinn und letztlich der Untergang der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Andere Politiker werden auf öffentlichen Profilen des AfD-Anbgeordneten als „Verbrecher“ oder Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als „Fettsack“ beschimpft. Menschen, die bei der EU tätig sind, werden als Gesindel bezeichnet. Liebe AfD, das hat nichts mit „politischer Korrektheit“ oder „Denkverboten“ zu tun. Von euern Abgeordneten werden in sozialen Netzwerken reihenweise gesellschaftliche Gruppen (Volksverhetzung) und Einzelpersonen (Beleidigung) diffamiert (und das Internet vergisst nie).

Auf der einen Seite fordert ein zukünftiger Abgeordneter der AfD einen neuen Straftatbestand zur „Verschwendung von Steuergeldern“. Leider wird da nicht mehr ausgeführt. Wer entscheidet, was Verschwendung ist? Wenn es klappt, ist das Projekt keine Verschwendung, wenn etwas schief geht, dann wollt ihr Köpfe rollen sehn? Ich wünsche mir hier mehr Präzession, vor allem von den vielen Juristen unter euch.

Auf der anderen Seite lassen sich die neu gewählten Landtagsabgeordneten der AfD Thomas Rudy und Siegfried Gentele in ihren öffentlichen Profilen eines sozialen Netzwerks am 16. September über die Inneneinrichtung des Landtags aus, die ihnen nicht gefällt. „Aber die Farbe des Mobiliars ist nicht so nett“, schreibt Siegfried und Thomas antwortet: „[W]ir können ja mit unserem Abgeordnetengehalt eine Spende für Klebefolie machen, in blauer Farbe würde ich vorschlagen.“

Wie bereits in meinem ersten Artikel zur AfD angeführt, halte ich nichts von Neiddebatten. Ich finde aber solche Statusmeldungen, in denen ihr euch über die Verschwendung der vielen Steuergelder, die ihr nun bekommt, lustig macht, nicht witzig (ich zeige euch gern mal die Privatsphäreneinstellung).

Ich persönlich wünsche mir auch mal Politiker, die zugeben, dass sie nicht wissen, wie bestimmte Entscheidungen wirken. Bei der AfD weiß ich jetzt schon, dass die nicht wissen, wie Demokratie funktioniert. Wie hat es Herr Kießling überhaupt auf einen Listenplatz der AfD und damit in den Landtag geschafft? Im April 2014 meinte der Gründungsvorstand des ersten Thüringer AfD-Kreisverbandes Gotha-Ilmkreis, dem Kießling angehörte, mit sofortiger Wirkung zurücktreten zu müssen. Es gab wohl Differenzen um die „Vorstellungen von innerparteilicher Demokratie, Satzungstreue sowie den ursprünglichen Geistes der AfD“. Der andere zukünftige Abgeordnete Gentele hielt noch im Februar den eigenen Landesparteitag in Arnstadt für einen „Witz“. Ob das fünf Jahre lang gut geht, bezweifle ich.

Die ersten sechs Listenkandidaten der AfD sind Beamte oder Rechtsanwälte. Menschen, die im Gegensatz zu vielen anderen, die sie gewählt haben, in diesem Land sehr privilegiert durch dieses Land leben. Und was die neuen Abgeordneten der AfD laut ihrem Landtagsprogramm alles gern umsetzen würden, dass das Schüren von Ängsten vor Fremdem und der Rückgriff auf vermeintliche Lösungsmöglichkeiten aus der Vergangenheit für die Zukunft keine Alternative für Deutschland sind, damit beschäftigt sich der nächste Artikel dieser Reihe „Bertha und die AfD“.

Eure Bertha Kessel

Das Wahlprogramm der Thüringer AfD unter der Lupe (Teil 1)

Das Wahlprogramm der Thüringer AfD unter der Lupe (Teil 1)

Heute: die Präambel.

Liebe AfD, lieber Björn Höcke, sie alter Thilo Sarrazin-Fan (der Sarrazin hat geschrieben, dass Uckermärker dümmer wären als Schwaben, was mich persönlich sehr beleidigt hat),

erst heute komme ich dazu, mich intensiv mit dem Wahlprogramm der Thüringer Alternative für Deutschland (AfD) zu beschäftigen. Ich habe euch sowieso am letzten Sonntag nicht gewählt. Also sollte das alles für mich jetzt eigentlich egal sein. Aber 10,06 % der Wähler haben für die AfD gestimmt. Das sind fast so viele Stimmen wie für die SPD! Wie viele Menschen sind das? Es war ja nur jeder vierte Wahlberechtigte wählen. Ok, rechnen mochte ich noch nie so gerne.

Ich versuche mir gerade einen typischen Wähler der AfD vorzustellen. Am leichtesten gelingt mir das, wenn ich auf meine eigene Lebenswelt schaue. Der Wahlkreis Jena I (Wahlkreis 37) umfasst die westlich der Saale gelegenen Ortsteile der kreisfreien Stadt Jena (Ammerbach, Burgau, Closewitz, Cospeda, Göschwitz, Isserstedt, Jena, Krippendorf, Leutra, Lichtenhain, Löbstedt, Lützeroda, Maua, Münchenroda, Remderoda, Vierzehnheiligen, Winzerla und Zwätzen). Dort habt ihr insgesamt 2025 Stimmen geholt (7,2 %).

Den Wahlkreis Jena II (Wahlkreis 38) bilden die östlich der Saale gelegenen Ortsteile von Jena (Drackendorf, Ilmnitz, Jenaprießnitz, Kunitz, Laasan, Lobeda, Wenigenjena, Wogau, Wöllnitz und Ziegenhain). Dort bekam die AfD 1741 Stimmen (9,2 %).

Die Wahlbeteiligung lag in Jena zwischen 56 und 57 Prozent. 3766 Menschen in Jena haben also insgesamt für die AfD gestimmt. Das ist das Publikum, das ich gern erreichen und (solange keine Nazis darunter sind) mit dem ich diskutieren würde.

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Laut Wähleranalyse sind es vor allem jüngere Leute, die euch gewählt haben. Viele Menschen, die bei der letzten Wahl CDU oder die Linken gewählt haben, sind zu euch abgewandert. Ok, die kleine Zahl an vormaligen ca. 200 NPD-Wählern vergessen wir jetzt mal. Es ist also offensichtlich egal, ob jemand von Natur aus eher konservativ oder links eingestellt ist (die „Denkzettelkampagne“ habt ihr ja selbst inszeniert!)

In Jena sind es nach diesen Daten offensichtlich vor allem von etablierten Parteien enttäuschte Menschen, egal ob links oder rechts. Ich kann das gut verstehen, da ich mit dem Status „Behindert“ und „Alg II-Bezug“ nun nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Auch ich bin sehr oft schockiert, mit welcher Leichtigkeit das Geld manchmal von den in der Politik Tätigen verpulvert wird.

Warum halte ich aber die AfD für gefährlich?

Zuerst habe ich mich im Internet informiert. Bei der Landtagswahl in Thüringen 2014 wurde Björn Höcke als Spitzenkandidat seiner Partei AfD neben zehn anderen AfDlern in den Landtag gewählt. Höcke (* 1. April 1972 in Lünen) ist Lehrer und Politiker.  Er stammt aus Hessen und studierte Sportwissenschaften und Geschichte für das Lehramt für Gymnasien. Er ist derzeit als Lehrer tätig, zuletzt mit der Amtsbezeichnung Oberstudienrat in Bad Sooden-Allendorf.

Der AFD-Landesvorsitzende ist also wegen der Arbeit aus dem Westen in den Osten gezogen? Mir ist dieses Wessi/Ossi-Ding inzwischen sowas von Schnuppe, aber dieser Fakt ist wichtig, wenn später über das Thema „Arbeitsmigration“ gesprochen wird. Der Herr Höcke sagt nämlich solche Sätze wie: „Es kann nicht sein, dass man pauschal arbeitslose Ausländer wie arbeitslose Deutsche behandelt“. Da hat er Recht und es ist ja auch nicht wahr. Meine ausländischen Freunde, die erst nach Deutschland gelockt wurden und dann ihre Arbeit wieder verloren, können ein Lied davon singen.

Ok, ein Oberstudienrat hat im Gegensatz zu Hartz 4 Empfängern mehr Geld, viel mehr Geld! Was wir aber gemeinsam haben: wir existieren beide von Steuergeldern, der eine (Herr Höcke) besser, ich (Bertha Kessel) eher schlechter. Und natürlich wird auch in die Kassen der AfD und ihrer Abgeordneten nach dem Wahlkampf Geld fließen. Wie viel verdient ein Landtagsabgeordneter? Nein, Neiddebatten bringen uns nicht weiter. Ich werde aber ganz genau darauf achten, ob ihr überhaupt wisst, was „soziale Not“ bedeutet.

Und liebe Schüler, vertraut bitte nicht einem Geschichts- und Sportlehrer, der fordert, in Thüringen „preußische Tugenden“ wiederzubeleben. Hätte er in Jena studiert, dann wüsste er, dass das mit Thüringen und Preußen in der Geschichte nicht so einfach war. In Erfurt kann er das vielleicht noch sagen. Der Rest Thüringens, der sich mit der eigenen Geschichte vertraut gemacht hat, freut sich weniger über preußische Tugenden. Die historischen thüringischen Staaten wollten alles andere als preußisch sein.

Liebe AfD, bereits eure Präambel beginnt mit einem Bekenntnis für „ein Europa der Vaterländer.“ Wisst ihr, wer bei der letzten Wahl mit diesem Slogan losgezogen ist? Genau. Die NPD. Manchmal reden die anstatt von Ländern auch gern von Völkern. Aber der Volksgedanke beschäftigt euch ja auch sehr, wie wir später sehen werden. Das mit dem „Weltsozialamt“ ist auch bei beiden Parteien immer sehr beliebt gewesen. Dass eure Nachbarn in Sachsen ein handfestes Naziproblem haben, darüber wurde bereits viel berichtet.

Eurer „Selbstverständnis fußt auf der Verteidigung des Rechtes auf Meinungsfreiheit, wie es in Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sowie in Artikel 11 der Verfassung des Freistaates Thüringen niedergelegt ist.“

Wisst ihr, worauf mein Selbstverständnis fußt? Auf Artikel 1 des Grundgesetzes. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der Artikel steht höher als euer, ätsch. Nein, das war nur Spaß. Aber dort steht etwas von der „Würde des Menschen“ und nicht von „der Würde unseres Volkes“ oder „unserer Katzen“ oder was auch immer. Ich werde in den nächsten Tagen in einer ganzen Serie von Artikeln darstellen, welchen Bevölkerungsgruppen ihr das unverbrüchliche Recht auf „Würde“ nehmt, falls euer Programm realisiert werden sollte (Arbeitslose, Asylbewerber, Frauen, Kinder etc.).

„Die AfD ist sich der zurückgehenden Haushaltsmittel des Freistaates und damit der Bedeutung der Prioritätensetzung und des schlanken Staates bewußt.“ Und wer sorgt mit fleißig für die zurückgehenden Haushaltsmittel? Das sind vor allem die Anhänger einer „neuen sozialen Marktwirtschaft“, die 2008 einen „Jenaer Aufruf zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft“ initiierten, daneben fleissig Werbung für die AfD machten und lieber, anstatt Steuern zu zahlen, Stiftungen gründen.

„Wir werden mit aller Kraft an der Zukunftsfähigkeit unseres Landes und unseres Volkes arbeiten.“ Ok, dann lasst uns doch einmal „über unser Volk“ ehrlich reden.

Ist das für euch kulturell geprägt? Oder gibt’s dahinter eine Rassentheorie? Deutsches Blut? Was ist mit deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens? Gehören Menschen, die aus Russland kamen und eingebürgert wurden, auch zu „unserem Volk“? Ist es die christliche Religion, von der sich viele Deutsche verabschiedet haben? Oder was ist mit der zweiten und dritten Generation der Gastarbeiter und Einwanderer der 70er Jahre?

Wir müssen uns unbedingt all diesen Fragen stellen, da habt ihr recht. Da wurde vieles versäumt. Das sind wichtige Fragen! Es gibt aber keine einfachen Antworten. Zum Beispiel sind wir Deutschen ja sowieso ein buntes Sammelsurium unterschiedlicher Völker. Es reicht bei vielen oft schon, sich seines eigenen Nachnamens bewusst zu werden.

Wenn ihr mit mir reden wollt, dann gibt es natürlich keine „Denkverbote“ (die Gedanken sind frei). Aber ich habe Tabus. Holocaustleugnung ist strafbar, genauso wie Volksverhetzung. Und Nazis mag ich nicht. Aus guten Gründen.

In Sachsen hat sich euer Kollege bereits ganz offen geäußert. Ich meine, was vor 70 Jahren passiert ist, dafür brauchen wir uns nicht für schuldig bekennen. Also, was die damals gemacht haben“. (zu sehen bei Thomas Bärsch, Britta Hilpert, Hagen Mikulas und Tonja Pölitz: Phänomen AfD In: Frontal21 vom 3. September 2014, Min. 0:50 – 1:20).

Wie steht ihr als Partei zu solchen Aussagen? Was sagt der Geschichtslehrer Höcke seiner Klasse, wenn es um solche Statements geht? Ich hoffe, dass man euch im Landtag ganz offen all diese Fragen stellen wird. Andere Parteien sind bei solchen Fragen auch manchmal nachlässig, das wissen wir. Wir werden uns aber eure Antworten genau notieren.

„Das ideelle und materielle Erbe, das wir erhalten haben, wollen wir ungeschmälert an unsere Kinder weitergeben. Wir bekennen uns zu unserer Identität als Thüringer, Deutsche und Europäer, pflegen und verteidigen diese und erkennen in ihr die Grundlage unserer Weltoffenheit.“ Ich fange gleich an zu heulen. Was sind denn das für hohle Sätze? Na, da bin ich mal gespannt auf die Seite 6 eures Programms „Demografie und Zuwanderung“.

Bis zum nächsten Mal bei „Bertha und die AfD“.

Eure Bertha Kessel

Jena, nicht dass du mir noch „stiften“ gehst…

Jena, nicht dass du mir noch „stiften“ gehst…von Bertha Kessel

Ein Stifterlauf jagt gefühlt den nächsten. Außerdem ist einmal im Jahr Freiwilligentag. Jetzt ist zwar wieder angeblich der erste, aber letztes Jahr habe ich da mitgemacht. Da kann man z.B. der Oma/dem Kind nebenan eine Stunde lang vorlesen. Hinter der freiwilligen Arbeit stehen zahlreiche gemeinnützige Vereine. Die Bürgerstiftung hat mithilfe einer Werbeagentur jedoch die besseren Vermarktungskonzepte.

Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Zwischenraum, die laut Homepage hinter den ganzen Aktionen steht, ist Burkhard Lauer, gelernter Bankkaufmann, Diplom-Kaufmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Burkhard Lauer ist hauptberuflich Partner und Jenaer Niederlassungsleiter der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Diese Gesellschaft erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013 (01.10.2012 bis 30.09.2013) in Deutschland einen Umsatz von 1,33 Milliarden Euro. Wenn diese Firma nur 1 % davon spenden würden… aber sie engagieren sich ja freiwillig.

Im Netz wird das neue Angebot der Bürgerstiftungen beworben. „Sie entscheiden darüber, was gefördert wird, die Bürgerstiftung kümmert sich um die Formalitäten.“ Na das klingt ja nach einem tollen Angebot, oder?

Auch die Bürgerstiftung Jena und Herr Lauer offerieren mir, sich um mein Geld zu kümmern. Sie bieten mir am besten eine „Treuhandstiftung“ an (Treuhand? m.E. mittlerweile in Ostdeutschland ein Wort, das schon korrupt klingt).

„Sie können eine eigene Stiftung gründen, die treuhänderisch von der Bürgerstiftung Zwischenraum verwaltet wird. Sie bestimmen den Stiftungszweck und legen den Namen und die Satzung Ihrer Stiftung fest und wir übernehmen die Verwaltung gegenüber Stiftungsaufsicht und Finanzamt. Zu diesem Zwecke arbeiten wir mit Steuerberatern und Juristen zusammen und lassen uns bei der Anlage der Gelder von Finanzexperten beraten.“

Bekomme ich die Beratung von Herrn Lauer persönlich? Ansonsten gehe ich zur Konkurrenz. Auch der Jenaer Firmenlauf hat eine eigene Charity-Abteilung. „Neben der finanziellen Zuwendung versteht sich der Firmenlauf als eine Werbe- und Marketingplattform für das jeweilige Projekt, um auf sich und seine Ziele aufmerksam zu machen.“ Das klingt doch nach Wirtschaftsförderung.

Was bietet mir da die Konkurrenz? „Sie können sich auf unserer Homepage, auf unseren Veröffentlichungen und auf unseren Veranstaltungen präsentieren oder die Patenschaft für einzelne Projekte übernehmen“, wirbt die Bürgerstiftung Jena.

Ich kann mich für keine dieser tollen neuen Geldanlagemodelle entscheiden. Also schaue ich, was unsere Vorfahren gemacht hätten. Oliver Lemuth fasste die verschiedenen Deutungsversuche über Ernst Abbe zusammen.  Nach meiner Lesart wollte Abbe seinen ganzen Besitz einfach der Universität schenken, da er davon überzeugt war, dass er dieser Universität alles verdankte. Und natürlich wollte er dem „Volk“ eine Bildungsstätte schenken.

Das ging aber nicht so einfach, wie Abbe es sich in seinem „paternalistischen Ideal“ eines Mannes, der sich um „seine Leute“ kümmerte, dachte. Herausgekommen sind diese verschiedenen großen Stiftungen in Jena.

So wie etwa die Ernst-Abbe-Stiftung. Der Ernst-Abbe-Stiftung gehört neben verschiedenen Firmen auch das Volkshaus. Ernst Abbe stellte der Stadt Jena die erste, nach nordamerikanischem Vorbild eingerichtete, freie Bildungsstätte in Deutschland zur Verfügung. Er konnte so ein Haus aber nicht ohne weiteres verschenken. Wie gut, dass es dann die Stiftung gab, über die Stadt und Universität in den Genuss der Förderung aus Abbes Vermögen kommen sollte.

2014 ist das mit den Stiftungen komplizierter, als es 1903 abzusehen war. Da fragt Herr Dr. Vogel (SPD) im Stadtrat den Bürgermeister Dr. Albrecht Schröter (SPD) nach der Zukunft des Volkhauses. Dieser befindet sich aber gerade in schwierigen Verhandlungen mit Prof. Dr. Thomas Deufel (SPD). Der ist zwar auch Stadtratsmitglied. Jetzt verhandelt er aber als Vorstandsvorsitzender der Ernst-Abbe-Stiftung. Die haben nichts zu verschenken, sondern wollen das Maximum an Mieteinnahmen. (Verschenkt werden von der Stiftung zwei Stipendien für die Untersuchung der Geschichte der Psychiatrie, die man lieber selber schreiben lässt, bevor kritische Menschen da genauer nachfragen.)

Und heutzutage ist das Geflecht der Wohltaten ausgefeilter als 1903.

Prof. Dr. Thomas Deufel, Institutsdirektor am Jenaer Universitätsklinikum, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Jenaer Stadtrat und Staatssekretär im von Christoph Matschie (SPD) geführten Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, dessen Abteilung die Bereiche Hochschulen, Forschung und wissenschaftliche Infrastruktur sowie Kultur und Kunst unterstehen, sorgt für einen reibungslosen „Cashflow“ an der Uniklinik Jena und vor allem am Beutenbergcampus . Zwischen 1991 und 2013 investierten der Freistaat Thüringen, Bund und EU mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau der Infrastruktur allein am Beutenberg. Die Milliarden für den Klinikneubau standen auch bereit.

Am Beutenberg wird u.a. die BioCentiv GmbH („Join us at the Center“) Profit abwerfen. Das ist eine Firma, welche die hochmodernen Räume an junge Start Ups aus der Pharmabranche vermarktet. Die BioCentiv GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Ernst-Abbe-Stiftung. Und wer hat die Räume bezahlt? Naja öffentliche Fördermittel, bloß nicht so genau nachfragen.

Bürgerstiftung, Ernst-Abbe-Stiftung, alles ganz schön kompliziert für den Laien und hat nur noch wenig mit Wohltat zu tun. Zum Beispiel steckt in der Bürgerstiftung Geld der Jena Wohnen GmbH. Das finde ich nicht schön. Weil die meiner Bekannten die Miete erhöht haben. Meine Bekannte ist erwerbsunfähig und bekommt Grundsicherung. Die Grundsicherung, die die erhöhte Miete aufbringen muss, sind…

Mein Vorschlag, um diesem Stifterwahnsinn in Jena zu entgehen:

Liebe Bürgerstiftung Jena, die KPMG AG, die hinter Euch steht, spendet 1 % ihres Jahresgewinns der Stadt. Das wären 10 Millionen Euro. Die Stadt könnte für das Geld professionelle Sozialpädagogen anstellen, die dringend gebraucht werden (und die auch dringend Arbeit suchen.)

Liebe Ernst-Abbe-Stiftung: Thomas Deufel sorgt über Umwege dafür, dass von öffentlichen Geldern Firmen profitieren, die zu 100 % Euch gehören und die Gewinn machen werden. Jetzt erfüllt den Stiftungszweck im Sinne Ernst Abbes. 40 eigene Veranstaltungen? Dafür hat Abbe das Volkshaus nicht bauen lassen und das wisst ihr auch. Ab jetzt werdet Ihr alle mit dem Volkshaus verbundenen Kosten zum Wohle der Bürger dieser Stadt übernehmen. Wir schauen dann auch nicht mehr so kritisch auf alle anderen Aktionen.

Eure Bertha Kessel

Ich bringe noch kurz das Papier raus…

Ich habe heute einen Text von Wolfgang Herrndorf gefunden, mit dem auch ich meine derzeitige Situation beschreiben würde.

„Ein Jahr in der Hölle, aber auch ein tolles Jahr. Im Schnitt kaum glücklicher oder unglücklicher als vor der Diagnose, nur die Ausschläge nach beiden Seiten größer. Insgesamt vielleicht sogar ein bisschen glücklicher als früher, weil ich so lebe, wie ich immer hätte leben sollen. Und es nie getan habe, außer vielleicht als Kind“ (28.3. 2011, 9:40).“

Ich bin gleich in den Buchladen gegangen und habe mir das Buch „Arbeit und Struktur“ gekauft. Ich kannte ein paar Texte schon vom Blogg, der uns auf so tragische Weise auch schon die letzten Jahre begleitete. Und ich habe Abends „kurz das Papier raus“ gebracht.

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Hans Berger und Co. Wie geisteskranke NS-Ärzte in dieser Stadt geehrt werden.

„Die zwangsweise und oft mit Hilfe der Polizei gewaltsam durchgeführte Sterilisation war unmenschlich und widersprach der ärztlichen Ethik.“(1)

Im Eingangszitat bekannte sich der ehemalige Direktor der psychiatrischen Klinik Jena Prof. Dr. Rudolf Lemke, ehemaliger Assistent Hans Bergers, zu einer Schuld, die Jenaer Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus auf sich geladen hatten.

Zu einer Anerkennung zwangssterilisierter Menschen als Opfer „nationalsozialistischer Verbrechen“ kam es nie, aufgearbeitet wurden diese Geschehnisse nie und nichts erinnert in dieser Stadt an die Menschen, denen das Recht auf Nachkommen verweigert wurde.
Aber vieles erinnert an die Täter. Das Uniklinikum Jena erhält eine Förderung in Millionenhöhe, ist aber unfähig, sich kritisch seiner Vergangenheit und damit auch Fragen der Zukunft zu stellen.

Die Politiker der großen Koalition versuchen im Landtagswahlkampf ihre Millionenzusagen an eine florierende Gesundheitsindustrie als Beitrag zum Bildungsstandort Jena zu verkaufen. Dabei denken sie offensichtlich nicht an das Heer arbeitsloser Geistes- und Sozialwissenschaftler, die diesem Treiben ungläubig zuschauen.

Während sich die eine große Volkspartei CDU für die Gewährung von 300 Millionen Euro für den neuen Medizincampus feiern lässt, wünscht sich der Direktkandidat der anderen großen Volkspartei SPD in seinem Wahlkreis an erster Stelle „die Entwicklung eines Medizin-Campus Lobeda“. Dies wäre die wichtigste Aufgabe und größte Investition. Jenas Uniklinikum braucht aber nicht nur Millionen Euro für die florierende Gesundheits- und Pharmabranche, sondern auch dringend Geisteswissenschaftler.

In Jena ist die Klinik für Psychiatrie, die Klinik für Neurologie und eine Straße in Lobeda nach Hans Berger benannt. Studenten der Medizin werden in einem Hans-Berger-Seminarraum ausgebildet.

Büste von Hans Berger vor der Psychiatrie Jena.

Mit diesem Namen sollte sich bereits Prof. Dr. Thomas Deufel, Institutsdirektor am Jenaer Universitätsklinikum, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Jenaer Stadtrat und Staatssekretär im von Christoph Matschie (SPD) geführten Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur beschäftigt haben. Deufels Abteilungen unterstehen die Bereiche Hochschulen, Forschung und wissenschaftliche Infrastruktur sowie Kultur und Kunst.

Auch der promovierte Mathematiker Jörg Vogel trägt als Vorsitzender des städtischen Kulturausschusses Verantwortung für die Straßennamen in unserer Stadt und sollte Auskunft geben können über die geehrten Personen.

Wahrscheinlich lag auf dem Schreibtisch der jetzigen Ministerpräsidentin und vormaligen Gesundheitsministerin Thüringens Christiane Lieberknecht öfter Post von der „Hans-Berger-Klinik für Neurologie“ oder der „Hans-Berger-Klinik für Psychiatrie“.

Auch der Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter weiß möglicherweise von den Verdiensten, aber auch Schattenseiten im Leben Hans Bergers, der nachweislich mehrfach gegen das ärztliche Gebot verstieß, den Kranken nicht zu schaden.

Hans-Berger-Straße in Jena.

Hans-Berger-Straße in Jena.

Das Land Thüringen stellt die Infrastruktur für eine florierende Gesundheits- und Pharmaindustrie zur Verfügung. Währenddessen bewerben sich ca. 170 arbeitslose HistorikerInnen um eine halbe EG 9 Stelle zur Unterstützung des Stadthistorikers. Wie viel ist den Verantwortlichen das Gedenken an das Leid wert?

Hans Berger. Ein psychisch kranker Mann mit Licht- und gravierenden Schattenseiten (2)

Hans Berger (* 21. Mai 1873 in Neuses; † 1. Juni 1941 in Jena) war Neurologe, Psychiater und Direktor der Psychiatrischen Klinik sowie Professor an der FSU. Er wird besonders für die Entwicklung des Elektroenzephalographie (EEG) geehrt. Für die Entdeckung der Hirnströme wurde er mehrfach für den Nobelpreis nominiert.(3)

Die große Entdeckung des EEG (und daran wird weniger gern erinnert) hat Hans Berger aller Wahrscheinlichkeit nach einer „Wahnvorstellung“ zu verdanken, die ihn bereits in jungen Jahren umtrieb.

„Zu den immer noch umstrittenen parapsychologischen Erscheinungen gehört die echte Gedankenübertragung, und doch muß sie meiner Meinung nach auch von der Wissenschaft als Tatsache anerkannt werden!“(4) stellte Berger in seiner kurz vor seinem Suizid erschienen Schrift „Psyche“ fest.

 

Titelbild zu Bergers Werk "Psyche" und seine handgezeichnete Fackel als Einbandvorlage, mit der er symbolisch die Forschungen zum EEG und zu Gedankenübertragungen an die nachfolgenden Generationen übergeben wollte.

Titelbild zu Bergers Werk „Psyche“ und seine handgezeichnete Fackel als Einbandvorlage, mit der er symbolisch die Forschungen zum EEG und zu Gedankenübertragungen an die nachfolgenden Generationen übergeben wollte.

Gesucht hatte er in seinen Versuchen, die an hunderten Menschen durchgeführt wurden, nach einem Beleg für „die echte Gedankenübertragung, (…) bei der der Weg von dem einen Menschen zum andern nicht über die Sinnesorgane geht.“
In parapsychologischen Aufsätzen (5) entwickelte Berger das Konzept der „psychischen Energie“, das zu den Basisvorstellungen gehört, die erst die Entdeckung des EEG ermöglichte. (6)

Über diese Grundüberzeugung habe er aber mit anderen nicht geredet, „um nicht für verdreht gehalten zu werden“, wie er in seinem letzten Buch notierte. (7)

Berger erreichte 1938 mit 65 Jahren die Altersgrenze und wurde in den Ruhestand versetzt. Er übernahm 1939 noch einmal vertretungsweise die Amtsgeschäfte seines Nachfolgers Berthold Kihn (1895-1964). 1941 nahm sich der ehemalige Klinikdirektor Hans Berger in der Klinik, der er vielen Jahre lang vorstand, das Leben.

Nach seinem Tod erhielt Berger eine besondere Würdigung, indem 1956 der Vorschlag seines Amtsnachfolgers Rudolf Lemke realisiert wurde und der Jenaer Nervenklinik der Name „Hans-Berger-Kliniken für Psychiatrie und Neurologie“ verliehen wurde. Der Name „Hans-Berger-Klinik“ wurde, nachdem die drei Abteilungen – Psychiatrie, Neurologie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie – in separaten Kliniken überführt wurden, 1994 für jede der drei Kliniken beibehalten. (8)

Die Mediziner reden sich raus, Geisteswissenschaftler gibt es kaum noch. Daher wird diese Ehrung nicht kritisiert und ein „Lernen aus der Geschichte“ ist nicht möglich.

Zum Zeitpunkt, an dem sowohl Neurologen als auch Psychiater 1994 den Namen für ihre Kliniken beanspruchten, sollte allen Beteiligten die Arbeit Susanne Zimmermanns bekannt gewesen sein, die 1993 an der medizinischen Fakultät als Habilitationsschrift eingereicht wurde. (9)

Darin wird u.a. die Tätigkeit Hans Bergers und Rudolf Lemkes als Beisitzer im Erbgesundheitsobergericht Jena beschrieben. Die Mitarbeit Bergers wurde jedoch nicht nur durch seine Stellung bestimmt, wie es verharmlosend in einer Publikation mit einem Vorwort der Klinikdirektoren der nach ihm benannten Einrichtungen heißt.(10) Immer wieder wird als Erklärung der Handlungen dieser Zeit benutzt, dass „man“ eben so handeln hätte müssen. Mir geht es hier auch nicht um eine „Historie der Staatsanwälte und Richter“, die Thomas Nipperdey zu Recht ablehnte. Mir geht es um Fragen des Respekts gegenüber Patienten, denen in dieser Klinik leid angetan wurde.

Hans-Berger-Klinik für Psychiatrie Jena.

Hans-Berger-Klinik für Psychiatrie Jena.

Wir müssen uns eingestehen, dass Hans Berger diese Aufgabe als Beisitzer mit voller Überzeugung ausführte. Er war, wie so viele andere, dem Sozialdarwinismus auf den Leim gegangen. Als ihn der „NS-Rektor“ Karl Astel bat, nach seiner Emeritierung erneut am EGOG Jena tätig zu werden, teilte Berger mit: „Ich bin sehr gerne bereit, wieder als Beisitzer beim Erbgesundheitsgericht in Jena mitzuwirken und danke Ihnen dafür“.(11)

Die Urteile des Erbgesundheitsobergerichts sind mit etwas Aufwand und Recherche bis heute in der Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde in Gera einsehbar. (13)

Am 13. April 1938 etwa saßen ein Richter sowie Karl Astels Assistent Stengel von Rutkowsky (SS- Hauptsturmführer und ab 1940 Dozent für Rassenhygiene, Kulturbiologie und rassenhygienische Philosophie) und der Direktor der psychiatrischen Anstalt Jena Hans Berger in einer nichtöffentlichen Sitzung zusammen. Sie richteten u.a. über die nicht anwesende Frieda B., deren Mann die zwangsweiße Unfruchtbarmachung seiner Frau verhindern wollte. Nochmals wurde ihr „angeborener Schwachsinn“ attestiert. „Daß Frau B. mechanische Arbeit ordentlich ausführt, ändert an der Beurteilung nichts.“(14)

Wenn die Amtsärzte und die Ärzte der Universitätsklinik ein Urteil gefällt hatten, nützte keinem der Betroffenen mehr der Gang vor das Erbgesundheitsobergericht, um Einspruch zu erheben.

Im Zeitraum von 1934 bis 1937 wurden mindestens 1593 Frauen und Männer an den Universitätskliniken Jena zwangssterilisiert (die Gesamtzahl der zwischen 1934 und 1945 in den Universitätskliniken Jena zwangssterilisierten Frauen und Männer ist nicht mehr zu ermitteln). Die Zahlen in Thüringen sind dabei weitaus höher.(15)

Sicherlich waren in der NS-Zeit Erbgesundheitsgerichte überall verbreitet und durch das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.07.1933 juristisch legitimiert. Dennoch bleiben eine Menge Fragen, vor allem zur Beschäftigung mit diesem Erbe, offen.

Die Universität Jena wurde in der NS-Zeit zu einem Zentrum für Rassenkunde, Rassenhygiene und Rassenbiologie umgestaltet. Bereits ab 1930 hatte die FSU einen Lehrstuhl für Rassenkunde. Karl Astel konnte bereits ab 1934 ein „Institut für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik“, gefördert durch die Carl-Zeiss-Stiftung, aufbauen. (16)

Einen besonderen Beitrag zur Umgestaltung der FSU lieferte auch die medizinische Fakultät, die mit Neurologen und Psychiatern die Urteile über ihre Patienten fällte. In der Klinik für Chirurgie bzw. der Frauenklinik vollstreckte man diese dann.
Dabei ging es keineswegs nur um die Ausrottung schlimmer Krankheiten, wie manche Ärzte bis heute behaupten, sondern das Jenaer Erbgesundheitsgericht ging weit über die Linie anderer solcher Gerichte hinaus, in dem es bspw. auch die „Hilfsschulbedürftigkeit“ ausdrücklich als Erbkrankheit klassifizierte. (16)

Es wurde ein Klima der Angst erzeugt, das u.a. die ehemalige „Ibrahim-Schwester“ Else Lehmann beschreibt, deren Eltern ihre an Epilepsie erkrankte Schwester verstecken mussten.

„Bin vielleicht auch ich „krank“, gehöre auch ich zu jenen, die des Lebens nicht mehr wert sind? Fragen, die mich durchs ganze Leben begleiten werden. Wer könnte sie je wieder löschen?“

Weiter führte sie über ihren Alltag aus: „Erschrecken: Sogenannte Erbkrankheiten sind anzeigepflichtig. Nun also bin ich von berufswegen zur Anzeige verpflichtet – auch im Blick auf meine Schwester. Ein Schock!“ (17)

Die Aufarbeitung der Geschehnisse bisher

Vielen Jenaern ist noch die Auseinandersetzung um die Benennung der Kinderklinik nach Jusuf Ibrahim in den Jahren 1999/2000 im Gedächtnis. Nach langen Konflikten wurde diese Idee verworfen. Auch eine Straße wurde in Forstweg umbenannt.
In einer Erklärung des Fakultätsrates der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität vom 18. April 2000 ist zu lesen: „Sie [die Universität und insbesondere die medizinische Fakultät, B.K.] wird die Erinnerung an diese Ereignisse wachhalten, darüber Studenten und Mitarbeiter informieren und die Tragweite der Verbrechen stets deutlich machen, damit ein solches Geschehen sich nicht wiederholen kann.“(17)

Insbesondere die medizinische Fakultät verweigert sich jedoch diesem Anliegen.

Der 1946 amtierende Dekan der Jenaer Medizinischen Fakultät Skramlik lehnte den Vorschlag des Thüringer Landesamts für Volksbildung ab, erhaltene Akten über die Sterilisation durch Studenten der Jenaer Medizinischen Fakultät bearbeiten zu lassen. „Möglicherweise wollte er verhindern, daß noch in Jena tätige medizinische Hochschullehrer durch diese Akteneinsicht kompromittiert würden“, mutmaßt die Medizinhistorikerin Zimmermann. „Geschützt wurde beispielsweise auch der Psychiater Rudolf Lemke, der 1939 Beisitzer im Jenaer EGOG war“. Verhandelt wurde u.a. am 16.06.1939 der Einspruch eines 39-jährigen Mannes, der wegen „Fallsucht“ (Epilepsie) sterilisiert werden sollte. In der Ablehnung des Einspruchs wurde formuliert: „B. muß um der rassischen Zukunft des Gesamtvolkes willen das Opfer bringen, daß das Gesetz wie von vielen anderen Erbkranken auch von ihm verlangt“. (18)

Rudolf Lemkes Sohn Sebastian, Oberarzt in der Jenaer Klinik für Psychiatrie, schrieb 1999 auf dem bis dato nicht aktualisierten offiziellen Internetaufritt (Update: nach erscheinen dieses Artikels wurde der Beitrag nach 12 Jahren kommentarlos von der Seite entfernt) über die Geschichte der Klinik von „psychiatrischem Krankengut“, dessen Zahl gegenüber „neurologischem Krankengut“ abnimmt.

Hier taucht mit „Krankengut“ eines der Worte auf, die am Anfang schlimmster Entwicklungen in der Vergangenheit standen.

PD Dr. Sebastian Lemke erwähnte in diesem historischen Abriss weder den Aspekt der Zwangssterilisationen noch der T4 Aktionen, der planmäßigen Ermordung von Menschen, denen das Lebensrecht abgesprochen wurde.

Darüber hinaus soll er nach Stern-Recherchen im Auftrag von Eggert Beleites, Präsident der Thüringer Ärztekammer und Vorsitzender des Ausschusses für ethische und medizinische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer, ein entlastendes Gutachten für Rosemarie Albrecht geschrieben haben, die in Stadtroda als Assistenzärztin mit der Leitung der Frauenabteilung betraut war.
159 Menschen waren in der NS-Zeit in relativ kurzer Zeit auf ihrer Station gestorben, darunter elf Kinder. Gegen Albrecht ermittelte die Staatsanwaltschaft Gera und erhob 2004 Anklage wegen Mordes. Nicht zuletzt aufgrund des Gutachtens des Jenaer Psychiaters Sebastian Lemke scheiterte diese.

Auch ein durch die Abbe-Stiftung gefördertes Projekt zur Geschichte der Psychiatrie in Jena im 20. Jahrhundert, in dem der Klinikdirektor der Psychiatrie Prof. Dr. Heinrich Sauer im Beirat sitzt, kann keine kritischen Ergebnisse erwarten lassen.

(Update 30.11.2017: ausgelöst durch das Promotionsvorhaben von Kristin Tolk von der FSU Jena wurde Ende 2017 tatsächlich eine Diskussion über die Rolle der Psychiatrie und Hans Bergers im Dritten Reich angestoßen!)

Meine Vorschläge an die Landesregierung, die Verwaltung der Stadt Jena und den Vorstand der betroffenen Kliniken lauten:

1. Neben die Büste Hans Bergers vor der psychiatrischen Klinik wird ein Gedenkstein errichtet als ständige Mahnung an alle Besucher und Mitarbeiter. Darauf zu lesen ist der erste Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

2. Das Bund und Land neben der Förderung medizinischer Infrastruktur in Millionenhöhe auch Finanzmittel bereitstellen für die Aufarbeitung der Geschichte, dass sie Wissenschaftlern ermöglichen, finanziell abgesichert kritische Fragen an die Medizin zu stellen, halte ich für selbstverständlich.

3. Auch die Stadt Jena trägt Verantwortung. Daher sollte ein Teil des Etats, der für das Themenjahr 2015 „Romantik – Licht – Unendlichkeit“ vorgesehen ist und nur zur Profilierung eines Images dienen soll (aus PR-Gründen wird eine Geschichte inszeniert, die es so nie gegeben hat) umgewidmet werden. Es wird damit die Einrichtung eines neuen Forschungsverbundes finanziert.

Unter Federführung des Stadthistorikers werden fünf feste Mitarbeiterstellen für Geistes- und Sozialwissenschaftler am nach dem großen Sozialdarwinisten benannten Ernst-Haeckel-Haus installiert.

Aufgabe dieses Think-Tanks aus Geistes- und Sozialwissenschaftlern ist es, sich kritisch mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Forschungen in Jena auseinander zu setzen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Quellen wie die Tagebücher Hans Bergers, in denen dieser als „Kind seiner Zeit“ auch antisemitische Gedanken festhielt, werden wieder der Forschung zugänglich gemacht. Nach fünf Jahren wird das Projekt evaluiert und ggf. verlängert.
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1. Universitätsarchiv Jena, Best. D, Nr. 248, PA Lemke.
2. Dieses Unterfangen kann in diesem Artikel nur in aller Kürze erfolgen. Die größte Gruppe der arbeitslos gemeldeten Hochschulabsolventen mit Arbeitslosengeld II-Bezug bilden nach wie vor die Geisteswissenschaftler mit einem Magisterabschluss. Vgl. Jahresbericht 2011 jenarbeit S. 14 http://www.jena.de/fm/41/Jahresbericht_2011.pdf
3. Vgl. Joachim Bauer/Harald Kluge (Hg.), Das wissenschaftliche Gesamtwerk des Jenaer Nervenarztes Hans Berger, Stuttgart 2011, S. 9ff.
4. Hans Berger, Psyche, Jena 1940, S. 5.
5. Vgl. Hans Bender, Hans Berger und die energetische Theorie der Telepathie, in: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, Bd. 6, 1962/63, S. 86.
6. Vgl. Bauer, Das wissenschaftliche Gesamtwerk, S. 21.
7. Berger, Psyche, S. 7.
8. Bauer, Das wissenschaftliche Gesamtwerk, S. 14f.
9. Vgl. Susanne Zimmermann, Die medizinische Fakultät der Universität Jena während der Zeit des Nationalsozialismus, Habilitationsschrift, Tag der öffentlichen Verteidigung 21.12.1993, Druckfassung (= Ernst-Haeckel-Haus-Studien, Bd. 2), Köln/Weimar/Wien 2003.
10. Bauer, Das wissenschaftliche Gesamtwerk, S. 11.
11. zit. in: Susanne Zimmermann/ Thomas Zimmermann, Die Medizinische Fakultät der Universität Jena im „Dritten Reich“ – Ein Überblick in: Kämpferische Wissenschaft. Studien zur Universität im Nationalsozialismus, Köln 2005, S. 401- 436, hier: S. 414. Der Jenaer Psychiater Lemke war am 31.07.1935, am 11.07.1936 und am 02.02.1938 Beisitzer im Erbgesundheitsgericht.
12. Vgl. Bauer, Das wissenschaftliche Gesamtwerk, S. 11.
13. Vgl. BStu MfS HA IX/11 RHE West, 679/1.
14. BStu MfS HA IX/11 RHE West, 679/1.
15. Vgl. Ernst Klee, Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945, Frankfurt a.M. 2001, S. 232.
16. Vgl. Bettina Zimmermann/Thomas Zimmermann, Die medizinische Fakultät der Universität Jena im „Dritten Reich“. Ein Überblick, in: Hoßfeld u.a. (Hg.), „Im Dienst an Volk und Vaterland“. Die Jenaer Universität in der NS-Zeit, Köln 2005, S. 149f.
17. Vgl. Klee, Deutsche Medizin, S. 230.
18. Vgl. Katja Regensburger, Ein Opfer im Dienst der Volksgesundheit. Zwangssterilisationen nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses an der Universitäts-Frauenklinik Jena 1934-1945, in: Olaf Breidbach u.a. (Hg.) Anthropologie nach Haeckel, Stuttgart 2006.
19. zit. nach: Ernst Klee, Deutsche Medizin im Dritten Reich, Frankfurt a.M. 2001, S. 244.
20. Bericht der Kommission der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Untersuchung der Beteiligung Prof. Dr. Jussuf Ibrahims an der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ während der NS-Zeit. Jena 2000, darin Enthalten die Erklärung des Fakultätsrates der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität vom 18. April 2000.
21. Zimmermann, Die medizinische Fakultät, S. 416.

Danke, liebe NPD.

Danke, liebe Nazis!

Ich habe noch nie einen Wahlkampf erlebt, in dem mich so die hohlen Phrasen der etablierten Parteien ärgern, aber ausgerechnet die NPD zu eigenständigem Denken ermutigt. Die Nazis plakatieren zwar nicht in der Innenstadt und nur in den Außenbezirken sind Plakate ganz hoch angebracht, damit sie keiner kaputt machen kann (aber gerade ältere Menschen können sie schlecht sehen).

„Vorbild Schweiz. Massenzuwanderung stoppen.“ Naja, das hat ja vor allem viele Bundesbürger, die in der Schweiz arbeiten, getroffen. „Eltern stärken“ ist auch noch so eine hohle Phrase.

Aber danke liebe NPD, dass ihr uns daran erinnert, dass es völlig egal ist, wo die Zeugung eines Menschen stattgefunden hat: egal ob auf einer Diskotoilette 1980 in Eisenach oder im Urlaub auf Mallorca. Patrick Wieschkes Zeugung fand zwar laut Werbung in Deutschland statt. Und doch war er in der Nacht zum 10. August 2000 an einem Sprengstoffanschlag an der Eingangstür eines türkischen Imbisses in Eisenach als Anstifter beteiligt. Anschläge auf Menschen mit Migrationshintergrund, da haben gerade wir in Jena viele Fragen. Das Sündenregister Patrick Wieschkes geht bereits in der Jugend los, ein richtiger Intensivstraftäter, der m.E. abgeschoben werden sollte (aber wohin, er ist ja „made in Germany“, wie fast alle anderen Intensivstraftäter auch).

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Oder das Plakat „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“ Ich hätte das nie von mir gedacht, aber in diesem Fall muss ich sagen: Ja, liebe NPD, ihr habt recht. Na gut, ihr habt den Spruch von der AfD und der CSU geklaut (bei der AfD hieß der Spruch: „Wir sind nicht das Weltsozialamt.“) .

Aber auch wenn es mir Brechreiz bereitet, muss ich euch einfach zustimmen: die Leistungen für „Ausländer“ insgesamt betrugen im letzten Jahr 6,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig verdiente Deutschland 200.000.000.000 Euro an der Welt. 200 Milliarden, so viele Nullen muss man erst mal fassen. Wir sind Exportweltmeister. Das heißt, wir sind wirklich nicht das Sozialamt der Welt. Deutschland verdient sich dumm und dämlich an dieser Welt. Danke Welt.

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Und endlich dürfen wir diskutieren, ob es vielleicht einen Zusammenhang geben könnte zwischen deutschen Waffenlieferungen und Menschen aus Syrien, die u.a. in unserer Stadt Schutz suchen (für alle, die es nicht wissen: Syrien grenzt an den Nordirak, in dem die Kurden leben, die jetzt mit deutschen Waffen versorgt werden sollen).

„Kindergärten statt Asylheime“: da gebe ich euch teilweise recht. „Asylheime“, allein das Wort klingt ja schon doof und wird in dieser Verkürzung nur von euch benutzt. Aber ihr habt Recht: viel besser sind doch dezentrale Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge aus aller Welt. Dann gelingt die Integration viel besser und alle fühlen sich wohl. Aber Kindergärten sollte der Staat nicht selber bauen und eröffnen. Liebe Nazis, wir sind doch keine Kommunisten. Bereits jetzt werden 2/3 aller Kindergärten von freien Trägern betrieben. Hier gilt es, gleichzeitig den Erziehern eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen und Eltern bei den Kosten zu entlasten. Ach, Politik ist manchmal so kompliziert, dann von mir aus lieber „Kinder statt Inder“ (das reimt sich so schön).

Und das kleine Mädchen mit der Unterschrift „Natürlich deutsch.“ Echt süß. Und nun?
Es ist schockierend, dass besonders NPD-Typen immer wieder mit Kinderpornos erzwischt werden. Mir wird jedenfalls immer schlecht, wenn ich sehe, wie ihr versucht, Kinder für Politik zu instrumentalisieren.

Liebe Nazis, ihr habt es schon nicht leicht mit denkenden Menschen, aber ich werde wegen euch nicht damit aufhören. Und ich erzähle es allen weiter.

SpongeBobBlume auf den Rattenrabatten

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Und wie war dein Tag so? Diese Blume habe ich für 1,20 Euro auf dem Markt gekauft. Sie illustrierte bereits meinen Artikel zur modularisierten Stadt. Dann war sie aus dem ersten Stock meiner Wohnung gefallen. Die Pflanze sah arg ramponiert aus. Sie stand eine Weile vor dem Haus und erholte sich langsam. Mit der Zeit wurde sie immer schöner. Jetzt hat sie als buntes Haar von SpongeBob (den mag mein kleiner Bruder so) ihren großen Auftritt auf den Rattenrabatten. Vielleicht ist sie morgen schon weg. Vielleicht wird sie aber ein wichtiger Teil einer spannenden Geschichte!

Wenn jemand uns die Würde nimmt, dann sind das nicht wir, sondern ihr!

Antwort des Tink Tanks PsyTaArt und Bertha Kessel:

Ein sarkastischer Pfeil in meine Richtung. „Pfandsammeln an sich ist auch nicht entwürdigend.“

Nein. Ist es nicht! Mein Vater hat mir noch beigebracht, jede Pfandflasche aufzuheben und mitzunehmen. „Wer den Pfennig nicht ehrt…“ und so. Aber Pfennige gibt es nicht mehr, genauso wenig wie meinen Vater.

Pfandsammeln ist ein Service für Menschen, denen der Weg zur Abgabe zu mühsam ist und die ihre leeren Flaschen nicht wieder mit nach Hause nehmen wollen.

Bitte stellt sie uns sicher irgendwo hin und seit dankbar.

Unser Arbeitslohn für diesen Service:
Für Einweg-Getränkeverpackungen mit DPG-Logo 0,25 Euro (Dosen, Einweg-Glas- und -PET-Flaschen, bis drei Liter Inhalt; Bierflaschen (Glas), bis zu einem halben Liter Inhalt, haben einen Flaschenpfand von 0,08 Euro. Auf Bierflaschen mit Bügelverschluss wird 0,15 Euro Pfand erhoben.
Für Joghurtgläser, Milch- und Sahneflaschen wird 0,15 Euro Pfand berechnet.
Glasflaschen, die mit Wasser oder kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken befüllt sind, haben Pfandflaschen Preise in Höhe von 0,15 Euro.
Harte PET-Flaschen, in denen Wasser oder kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke bis 1,5 Liter abgefüllt wurden, werden mit 0,15 Euro Pfand belegt.
Auf eine leere Getränkekiste wird, unabhängig von Wasser-, Erfrischungsgetränk oder Bier, ein Pfand von 1,50 Euro erhoben.
Eine halbe, leere Getränkekiste, wie sie manchmal bei Bier vorkommt, kostet 0,75 Euro Pfand.

In allen deutschen Städten leben Menschen wie wir.

Pfandsammeln, Sperrmüll, vor 10 Jahren war das eine ganz normale Sache für Studenten, ökologisch verantwortliche Menschen und auch sozial Schwache. Wenn jemand uns die Würde nimmt, dann sind das nicht wir, sondern Menschen, die solche Kommentare schreiben. Die Initiative Soziale Marktwirtschaft hat ganze Arbeit bei euch geleistet. Doch wir äußern uns zu euren Projekten. Genauso wie zu den Projekten der Stadt, die uns immer mehr kriminalisiert.

Wir sind viele. Wir sind fast immer auf den Rattenrabatten. Behaltet euren Schrank und euren Müll. Über Kleingeld oder Pfandflaschen freuen wir uns immer. Wir haben nämlich viel weniger Geld, als alle anderen um uns herum. Und wir wollen gern mehr davon. Wie jeder andere auch.

Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass es jetzt gilt, die größtmögliche Ordnung der Konservativen mit der größtmöglichen Mannigfaltigkeit der linken Anarchisten zu verbinden.

Ordnung ist wichtig, da die Mehrheit (auch m.E. mehrheitlich wir psychisch labilen Bürger) sich nach Ordnung und Struktur sehnt.

Lassen wir es zu, dass wenige durch bereits erprobte und als gescheitert befundene Projekte (unbeaufsichtigte Tauschplätze) diese anthropologische Grundkonstante der Mehrheit verletzten, dann liefern wir den Befürwortern der ursprünglichen Pläne der Eichplatzbebauung Munition.

Ein junger Konservativer schrieb weitsichtig: „Keine Frage hätte man das Geld sicherlich für anderweitige Projekte verbrauchen können, aber da kleiner unbegründeter Shitstorm auf den Eichplatz losgelassen wurde war es nicht anders möglich. So wartet man jetzt 5 Jahre und baut ihn dann :-)“

Der Smiley am Ende ist eklig. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, bei den Einwohnern dieser Stadt in den nächsten 5 Jahren eine solche Verbundenheit mit dieser Oase mitten im Zentrum zu erzeugen, dass wir einer erneuten Befragung „Ja oder Nein“ ganz beruhigt entgegen sehen können.

Bereits das Projekt „Tauschschrank“ hat uns, mehrheitlich Menschen, denen der Eichplatz am Herzen liegt, entzweit. Wie soll man sich da bloß auf größere Projekte einigen? Jetzt ist auch die Bürgerinitiative, die bisher mit Bauklötzern im Rathaus spielte, gefragt. Wie steht ihr zu dieser Thematik? Ihr solltet die aktuellen Diskussionen aufnehmen und moderieren. Mein Think Tank arbeitet auch auf Hochtouren.

Mit solidarischen Grüßen
Bertha K.

(P.S. und das nächste mal reden wir über grundsätzliche Dinge, die unsere Würde betreffen, wie eine öffentliche Toilette, die kein Geld kostet!)

Kommentar zur Diskussion um Tauschschränke

In eigener Sache über eine gerade aufflammende Disskussion in Jena:

1. Doch. Man darf und muss Projekte, die mich und andere in ihrer Würde verletzen, kritisieren, ohne gleich ein anderes Konzept zu haben. Wir, das sind ich und ein Think Tank von Menschen, die an chronischen und psychischen Krankheiten leiden. Alle von uns leben entweder von ALG II oder Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente. In allen Fällen sind das 365 Euro plus Miete. Und in einer Optionskommune wie unserer Stadt ist das auch sehr arbeitsintensiv. Sie glauben gar nicht, wie arbeitsintensiv die Bürokratie ist. Einen Schwerbehindertenausweis zuerkannt kriegen, das dauert. Da ist einem irgendwann alles andere egal.

Aber natürlich wären wir kein guter Think Tank, wenn wir nicht viele Konzepte in der Pipeline hätten, die unser und das Leben anderer besser machen. Das allertollste Konzept lesen sie in meinem nächsten Artikel. Sofortmaßnahmen, die besser sind, als ein ekliger Tauschschrank:

1. Abgabe der alten Klamotten vor den Filialen der Firmen, die bis heute noch nicht mal die mickrige Entschädigung (ein Leben in Bangladesch ist 467 Euro wert) gezahlt haben. Sie werden erkennen, dass die Entsorgungskosten ihres Mülls höher sind, als wenigstens Entschädigung zu zahlen. Weiterhin keine freiwillige Selbstverpflichtung der Firmen, sondern gesetzliche Regelung. http://www.welt.de/wirtschaft/article127235843/Modefirmen-knausern-mit-Geld-fuer-Bangladesch.html

2. Pfandringe an den Mülleimern anbringen. Klarstellung in den städtischen Ordnungsverordnungen, dass die Ablage von Leergut in Pfandringen keine Ordnungswidrigkeit ist, sondern politisch gewollt. Wer Pfandringe oder Leergut absichtlich kaputt macht, bekommt einen Orden als „Arschloch“ verliehen.

3. Wiedereinführung der Straßensperrmüllsammlungen

4. Bei Tegut richtig geile abgepackte Lebensmittel aus der grünen Tonne abzuholen, ist kein Diebstahl mehr. Tegut wird die Tonne mit abgelaufenen guten Lebensmitteln nicht mehr abschließen.

So das war Nr. 1 -4.

Wie gesagt, die Konzepte unseres Think Tanks sind ausgereift und finanzierbar. Wir sind nur nicht so schnell 
MfG Bertha KESSEL

FAQ:
– Ja. Wir werden die alten Klamotten wieder zu Geld machen. Nicht Nacktheit ist unser Problem, sondern Mangel an Kapital.
– Ja, meine ganze Wohnung ist mit tollen Möbeln vom Sperrmüll eingerichtet. Kein langweiliges Ikea!
– Flaschensammeln und Containern wird entkriminalisiert. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Ressourceneinsparung.

In der Kronfeldstr. stehen seit 6 Wochen 6 Gläser aus Glas. Die werden m.E. irgendwann als Glasscherben Tierpfoten gefährden. In der Otto-Schott-Str. wurde der Versuch eines Tauschplatzes gestartet. Dieser wurde innerhalb kurzer Zeit als Müllablageplatz missbraucht.

Ein weiterer Versuch es zu erklären: als ich vor 14 Jahren nach Jena kam, gab es einen Straßensperrmüll und alle waren unterwegs. Wir konnten uns komplett mit wunderbaren Dingen ausstatten. Diesen gibt es nun nicht mehr, weil selbst im “Müll” ein Wert erkannt wurde. “Erklären sie mir bitte, warum das überzählige Essgeschirr von einem zusammen ziehenden Pärchen nicht im Tauschschrank nicht den nächsten Besitzer erwarten darf, während sie aber Sperrmüll für gut befinden.” Nach dem Sperrmülltag hat KSJ alles gereinigt, alle (egal ob arm oder reich) waren versorgt. Zweimal im Jahr, was für ein Spass.

Warum war der Tauschschrank doof? Der erste waren einzelne Bretter an einem schönen schattigen Baum. Der zweite war auch nicht schön. Und voller Müll. Keine gute Idee!

Ich habe jetzt keine Zeit, die vielen Initiativen in dieser Stadt aufzuzählen (Winzerla, Burgau), die sich bereits mit der Frage nach Weiternutzung gebrauchter Dinge beschäftigen. Muss doch nicht alles auf dem winzigen geretteten Grün am Eichplatz sein, oder?

Tauschschrank weg? Sehr gut!

In der Goethe Gallerie hängt das berühmte Foto vom Fabrikeinsturz in Bangladesh. Zu sehen sind Fotos zweier Opfer. Ich lese hier: „Ihre Arbeit hat zum Reichtum der anderen beigetragen, die sie nicht ausreichend vor Schaden schützten. In ihren letzten Augenblicken, ohne Hoffnung auf Rettung, hatten sie nur einander. Wir können nie erfahren, wer sie im Leben waren, aber wir werden an ihre Würde im Tod erinnern.” Ich hoffe, dass ich das getan habe.

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Ich gehe hundert Meter weiter in eine „New Yorker“ Filialle und fasse ein weißes T-shirt aus Bangladesh an.

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Alles scheint hier wie immer zu sein. Auf dem Weg zum nächsten Einkaufscenter hat jemand die Wahrheit auf den Asphalt geschrieben.

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Arbeit macht tot! Nicht dich. Nicht mich. Außer wir stressen uns zu doll oder werden fett und kippen tot um. Aber die Arbeit hat Frauen und Männer in Bangladesh umgebracht. Gibts ja ein nettes Foto von.

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Der Hippietauschschrank ist weg. Ich finde das gut. Liebe Hippies, eure Tauschschränke, Verschenkaktionen und alles andere gehen mir tierisch auf den Zeiger. Ihr sucht einen Ort für euren Wohlstandsmüll? Und ihr wollt eurer Gewissen erleichtern, weil ihr in diesem Luxus lebt?

Liebe Projektinitiatoren, alles verlief nach Plan, aber der Plan war scheiße. In dem Schrank waren nur echt alte eklige Sachen. Und liebe Hippies: keiner möchte eure alten Klamotten tragen. Für sowas haben Rehana Parveen und ihr Mann das Leben verloren. Und ihr meint, wenn wir jetzt euren Müll abtragen, wird irgendetwas besser. Oder die Verhältnisse der Menschen, die das hergestellt haben, was ihr in den Schrank schmeisst, wird irgendwie durch eure Aktionen anders? Nein.

Ich will, dass ihr noch tragbare Klamotten in den Kleiderkammern und Kleidercontainern abgebt, die es gibt. In vielen Kirchgemeinden wird auch oft gesammelt. Tauschen könnt ihr ja übers Internet. Oder ihr macht einmal im Monat zum Flohmarkt einen Tauschstand. Dann wird es überwacht und ihr lernt Tauschpartner kennen. Aber das macht Arbeit. Und eigentlich wolltet ihr nur ein bisschen Kapitalismuskritik üben. Und anders sein. Und chillen.

Ich möchte, dass jeder Mensch in diesem Land genug Geld für Essen, Kleidung, Kultur usw. bekommt. Ich lebe seit zwei Jahren von ALG II, andere noch von viel weniger. Das ist nicht genug, um wirklich TEILHABEN zu können. Aber ich möchte nicht, dass ihr irgendwo draussen Lebensmittel hinstellt, die ich essen soll. Ich mag eure Klamotten nicht. Ich möchte eigenständig und würdevoll leben können. Genau wie die Menschen in Bangladesh. Ich möchte mir die Klamotten leisten können und in der Lage sein, soviel zu bezahlen, dass die Arbeiter in Ländern mit Textilindustrie davon gut leben können.

Eure Ideen tragen nicht zu diesem Ziel bei. Keine Behörde bezahlt mehr Projekte, die bsps. der Verein „1000 Taten“ freiwillig macht. Leute wie ihr gehören zu diesem System, das ihr so kritisiert, dessen Teil ihr aber seit. Und ihr erfüllt eure Aufgaben. Barmherzig könnt ihr aber jeden Tag sein. Dazu braucht ihr keinen Tauschschrank.

Lasst uns doch über eine gute Nutzung des Eichplatzes reden. Die Kräuterspirale ist cool. Der Tauschschrank war es nicht. Und der Müll, an den ihr einen Zettel „zu verschenken“ schreibt und dann auf die Strasse stellt, gehört zu 80 % in die Tonne (neulich hab ich die Hülle von einer guten Cd gefunden. Die Cd war nicht drin. Das ist nicht lustig.)

Lasst uns zusammen die Welt verändern. Aber dann bitte richtig!

Der Minister, der Finanzdezernent und das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG

Der Minister, der Finanzdezernent und das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG

Der Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr des Freistaats Thüringen Carius hat die Stadt Jena gebeten, die Geschwindigkeitskontrollen an stationären Messstellen mittels Informationsschildern anzukündigen.

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Wie reagiert man auf so eine Bitte? Schließlich ist das „Traffic Service Providing“ der Jenoptik AG der große Renner in vielen Städten weltweit. Das klingt genauso smart, wie das „Cross Border Leasing“ von 2002.

Damals hatte die Stadtverwaltung unsere Straßenbahnen zu Geld gemacht. Verträge nach amerikanischem Recht mit Gerichtsstand New York sind gar nicht erlaubt? Egal, das wird schon keiner merken. Totes Kapital muss flüssig werden, hatten die New Yorker Anwälte ihnen eingeredet. Das klang wie eine Gelddruckmaschine, aber am Ende war es wie in Las Vegas. Die Bank gewinnt immer.

Aber „Traffic Service Providing” ist etwas anderes. Laut Werbeauftritt werden „umfangreiche Dienstleistungen, die alle Prozesse der Verkehrsüberwachung vollständig abdecken, ohne einen Mitteleinsatz von Ihnen zu erfordern“, angeboten. „Unseren Service für die Optimierung Ihrer Aufgaben in der Verkehrsüberwachung stimmen wir individuell auf Ihre Bedürfnisse ab.“ Das klingt doch überzeugend, oder? Das „Traffic Service Providing“ bietet von Verkehrsanalysen, Beratung und Konzeption, Finanzierung, Planung von geeigneten Messplätzen, Projektierung und Installation der Verkehrsüberwachungsanlagen, Wartung installierter Verkehrsüberwachungsanlagen, Datenaufbereitung und Customer Service das volle Programm.

Der Finanzdezernent und die Verwaltung waren offensichtlich begeistert.

Aber was soll man da abschließen? Nehmen wir das „Kauf-plus-Service für die Geschwindigkeitsüberwachung“? Mit diesem Dienstleistungsmodell für die Geschwindigkeitsmessung entfällt für die Stadt zusätzlicher Mitarbeiterbedarf, denn die Jenoptik AG übernimmt die vollständige Datenaufbereitung. Auch die Verjährung von Ordnungswidrigkeiten ist ausgeschlossen.

Oder doch gleich den „Rundum-Service“? Das ist das Traffic Service Providing für investitionsfreie Verkehrsüberwachung. Die Analysten von Jenoptik wissen doch mittlerweile, dass die Kommunen zu pleite sind, um ihren Pflichten nachzukommen.

„Sie verfügen nicht über ausreichend Ressourcen und finanzielle Mittel, um Verkehrsüberwachungsanlagen an Unfallschwerpunkten einzusetzen oder Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen?“, steht im Werbeblatt. Der Rundum-Service ermöglicht es, „– ohne Investitionen Ihrerseits erforderlich zu machen“. Nichts mehr mit Polizei und Ordnungsamt. Das wird jetzt outgesourct.

Wenn da nicht diese blöden Nachfragen von der FDP wären. Aber die sind ehe ja bald weg.

Die Juristen von Jenoptik haben das schon wasserdicht bekommen. Falls jemand nachfragt, wird einfach auf die „Verwaltungsvorschrift zur Verfolgung und Ahndung von Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten durch die Polizei und die Gemeinden (VwV VA-StVOWi)“ verwiesen. Sicher steht da nichts von einem „Kauf-plus-Service für die Geschwindigkeitsüberwachung“ drin. Aber falls jemand nachfragt, antwortet man ihm, dass die Verwaltungsvorschrift bestimmt, dass die Kriterien der Richtlinie des Thüringer Innenministeriums für die polizeiliche Verkehrsüberwachung und deren Anlagen in der jeweils geltenden Fassung zu beachten sind. Schon schwindelig geworden? Immer schön mit diesem Juristendeutsch umherwerfen, bis der andere aufgibt. Das wird sich sowieso keiner alles so genau durchlesen.

Also: die Stadt Jena ist aufgrund der Verwaltungsvorschrift zur Verfolgung und Ahndung von Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten durch die Polizei und die Gemeinden (VwV VA-StVOWi), die bestimmt, dass die Kriterien der Richtlinie des Thüringer Innenministeriums für die polizeiliche Verkehrsüberwachung und deren Anlagen in der jeweils geltenden Fassung gültig sind, nicht befugt, auf die geäußerte Bitte von Herrn Minister Carius einzugehen.

Da kann ja jeder kommen und irgendetwas bitten! Natürlich sind solche Fragen in den Verträgen mit Jenoptik geklärt. Aber die bleiben vertraulich. Außerdem hat er nur gebeten und nicht gefordert. Darauf legt der Finanzdezernent wert.

In der Verordnung heißt es zwar, die Verkehrsteilnehmer sollen „durch die Erhöhung der objektiven und subjektiven Entdeckungswahrscheinlichkeit zu verkehrsgerechtem und rücksichtsvollem Verhalten motiviert werden.“ Und eigentlich ist laut Verordnung grundsätzlich ein aufklärendes Gespräch mit den Verkehrssündern vorgesehen.

Menschen sollen also zu etwas motiviert werden? Nicht so mit der Jenaer Verwaltung und ihrem Finanzdezernenten. Der will „rechtswidrige Verhaltensmuster auf[…]decken und wieder […] unterbinden.“ Ziele des Finanzdezernenten: „die Problemkandidaten finden“, „deren „Fehlverhalten belegen“, um dann „von ihnen eine Verhaltensänderung zu verlangen.“ Das klingt für mich irgendwie nach George Orwell, in dem ein totalitärer Präventions- und Überwachungsstaat im Jahre 1984 dargestellt wird.

Aber wir gehen davon aus, dass alles nur gut gemeint ist. Im ersten Jahr von 2012 bis 2013 lagen die Einnahmen durch die acht neuen Blitzer in der Stadt Jena bei etwa 1,3 Millionen Euro. Das Jahresgehalt des Vorsitzenden des Vorstandes der Jenaoptik AG Michael Mertin betrug in diesem Zeitraum 1,4 Millionen Euro. Wir werden uns bessern.

Jenas Weg in die Zukunft: Die modularisierte Stadt

Jenas Weg in die Zukunft: Die modularisierte Stadt

Wie soll es mit dem Eichplatz weitergehen? Auf der Wunschliste stehen Parkplätze und Flächen für gemeinsame Volksfeste in der Innenstadt. Andere mahnen Grünflächen und Orte zum Erholen ein. Den nächsten fehlen hochpreisige Shoppingangebote wie die Filiale eines Herrenschneiders, für den Internetangebote keine Alternative sind. Und schließlich fehlen Orte für Kultur und Kunst.

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Jena hat das tragische Schicksal ereilt, dass 1945 ein Großteil der Innenstadt zerstört wurde. Ende der 1960er Jahre gestaltete die DDR-Stadtplanung für die Bürger eine Innenstadt und eine Zukunft, von der wir heute froh sind, dass sie vergangen ist.

Wie läuft aktuell die Verfahrensweise und Diskussion, in der eine Entscheidung für ein Zukunftsmodell so schwer fällt? Um zu planen, wie wir mit einer nur bedingt voraussehbaren Zukunft umgehen sollen, schauen alle Diskussionsteilnehmer, Verwaltung, Befürworter der Pläne von Jena Wohnen und Projektgegner, in die Vergangenheit (manche bis ins Mittelalter).

Warum wird eine Diskussion darüber geführt, was diese Stadt in zwanzig Jahren braucht? Entschieden werden soll über eine Zukunft, in der die meisten der Entscheider bereits im Ruhestand sind. Viele derjenigen, die mit den gefundenen Kompromissen leben müssen, sind heute noch gar nicht geboren. Und wenn wir alle ehrlich sind, kann keiner die Bedürfnisse (oder „Bedarfe“, wie es im Amtsdeutsch heißt) genau voraussehen.

Während die Verantwortlichen der Stadt und die Vertreter der Initiative „Mein Eichplatz“ gemeinsam im Foyer des Rathauses mit Bauklötzern spielen, sind die Pläne der Gruppe „PsyTaArt“, einem interdisziplinären Think Tank, bereits ausgereift und baufertig.

Die modularisierte City

Was in der Universität und vielen anderen Forschungs- und IT-Projekten schon längst zum Alltag gehört, setzt sich nun auch in der Stadtplanung durch. – Die modularisierte City –

Durch den modularen Aufbau der City bestimmen Sie, welche Module bei Ihnen wirklich benötigt werden. Erweitern Sie jederzeit den Funktionsumfang von JenaModul, wenn sich Ihre Anforderungen verändern oder weitere Prozesse abgebildet werden sollen. Unterlegt ist die Modulgrundfläche mit einer drehbaren Autoverwahranlage, die Platz bietet für 20.000 Fahrzeuge.

Mo Grü, die mobile Grünanlage (die KSJ Grünanlage to go)

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Mo Grü ist ein von führenden Landschaftsplanern und Kinderspielplatzarchitekten designtes Modul. Experten für kostengünstiges Wachstum und Pflege der vielen Pflanzen, auf die der botanische Garten neidisch wäre, wurden bereits vertraglich an das Projekt gebunden.

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Der Einsatz über einen Zeitraum von 4 Monaten im Jahr bindet jährlich bis zu einer Tonne CO2.

Das Konsum-Modul, denn Wachstum mag den Kapitalismus

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Dieses Modul bietet Platz für gehobene Tagungsansprüche und luxuriöses Shoppingerlebnis sowie Gastronomie. Auch ostdeutsche Künstler und Künstlerinnen wissen, dass Konsum Platz braucht. JenaKonsum bietet 22.000 Quadratmeter – 800 Quadratmeter je Geschoss und eine wunderschöne überirdische Freifläche. Die Räume werden den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Tagungsräume, Übernachtungsmöglichkeiten, eine Jenaer Modewoche oder temporäre Filialen großer Unternehmen, das alles ist in den flexibel erweiterbaren Raumeinheiten zu realisieren. JenaKonsum: weil Sie es uns wert sind!

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Das dritte Modul ist gleichzeitig das kostengünstigste: eine Freifläche von der Größe des heutigen Eichplatzes.

Während zwei Module (z.B. für eine Messe mit benachbarter Grünanlage) in Betrieb sind, befindet sich die dritte in der Lade- und Pflegestation. Die Innenstadt wird jederzeit an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Die Module sind immer in modernem und gepflegtem Zustand. Menschen aus Erfurt oder Leipzig müssen 3-4-mal im Jahr unsere Stadt besuchen, da sie gespannt sind auf die jeweilige Modulausstattung. Die Stadt Jena wird jedes Jahr zu einem neuen Erlebnis.

Alle Module zusammen ergeben eine Einheit, eine Innenstadt, in der Sie Ihre Tagungen, Roadshows, Kongresse, Leben, Erholen, Shopping und Kultur sehr komfortabel und effektiv betreuen können.

Die Verhandlungen mit dem Innovationsfond des Bundes laufen. Für diese Lösung sollen der kommunalen Kasse keine Kosten entstehen.

Also: wie auch immer der interne Workflow aussehen mag, JenaModul passt sich Ihren Bedürfnissen und Anforderungen an. PsyTaArt kennt Gärtner, Architekten und Landschaftsplaner. Sie können uns also vertrauen.

Zukunft = JenaModul, die wandelbare Stadt.

(Alle Rechte behält Bertha Kessel sich natürlich vor. Lizenznehmer sind immer gern gesehen).