Bertha K. über:
Katrin Pöhnert: Hofhandwerker in Weimar und Jena (1770-1830). Ein privilegierter Stand zwischen Hof und Stadt. Jena 2014, 49,90 €, ISBN: 978-3-9815368-4-3

Innerhalb des SfB 482 „Ereignis Weimar-Jena“ wurde erstmals über die Herkunft und das Leben der Hofhandwerker beider Städte geforscht. Nun ist als Ergebnis ein über 400 Seiten dickes Buch erschienen, das ich hier vorstellen darf und das neue Einsichten in die Hof-, Stadt- und Zunftgeschichte erlaubt.

Durch die Voranstellung „Hof“ grenzte sich diese Gruppe von einfachen Handwerkern ab. Das hatte weitreichende Konsequenzen nicht nur im sozialen Ansehen (die Werbung der ehemaligen Hofhandwerker zieht bis heute in Bayern), sondern auch im Rechtskreis, in dem sie sich bewegten. Um 1800 gab es keine soziale Gleichheit, wie sie heute angestrebt wird. Für Universitätsangehörige war etwa ein anderes Gericht zuständig, als für einen Bürger der Stadt.

Diese Gruppe, über die Pöhnert schreibt, schwebte zwischen diesen zwei Sphären. Immer wieder musste in Konfliktfällen geklärt werden, wer denn nun diese Hofhandwerker seien. Sie gehörten eben nicht zweifelsfrei zum „Hof“ oder zur Stadt (in Jena kam es darauf an, ob der Handwerker Unterricht erteilte).

Der Hofmechaniker Georg Christoph Schmidt hatte die Aufgabe, den Studenten Unterricht in praktischer Mechanik zu gewähren. Dafür war ihm von Anna Amalia ein festes Gehalt von 100 Talern versprochen worden. Er bekam aber nur 50 Taler. Schmidt bat, wie zu dieser Zeit üblich, seine Studenten zur Kasse. Daneben fing er an, Bücher zu illustrieren und Professoren und Regenten zu porträtieren. Pöhnert legt zwar immer wieder Wert auf die ständische Zugehörigkeit der Hofhandwerker in Weimar und Jena (d.h. der Handwerksberuf wird innerhalb der Familie vererbt). Sie verkennt jedoch, dass es sich bei Hofmechanikern und Hofdruckern (trotz eindeutiger Zuordnung zum Stand der Handwerker) an der Universität im Gegensatz zu den Handwerkern der Stadt um Künstler handelte. Diese waren, wie sie zu Recht bemerkt, sozial viel ungebundener, als die städtischen Handwerker.

Der Hofmechaniker Georg Christoph Schmidt war ein Künstler, so wie Schiller gleichzeitig Dichter und Historiker war. Vom Multitalent Goethe wollen wir hier gar nicht anfangen. Der im Zuge der Gründung des physikalischen-mechanischen Instituts eingestellte Mechaniker Franz Joseph Alexander Otteny etwa erhielt zunächst kein Gehalt. Die Prioritäten an der Universität waren zu der Zeit, in der Schiller noch nicht Namensgeber, sondern Lehrender war, andere. Erst nach dem Tod Georg Schmidts 1811 erhielt Otteny dessen Gehalt von 50 Talern im Jahr.

Die Geisteswissenschaft in Jena, die um 1800 zu Höhenflügen aufgebrochen war, brauchte Handwerker wie Schmidt, die, wie man an der Abbildung der Scheibenelektrisiermaschine sieht, handwerkliche Begabung mit unbändiger Fantasie verbinden konnten.
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Abbildung der Scheibenelektrisiermaschine von Georg Christoph Schmidt. Aus: Georg Christoph Schmidt: Beschreibung einer Elektrisir-Maschine, Jena 1773.

Die Hofhandwerker innerhalb der Stadt vererbten ihre berufliche Stellung immer wieder an die Söhne, wie Pöhnert deutlich belegt. So entwickeln sich bestimmte Handwerkerdynastien über Jahrzehnte im Auftrag der Stadt immer weiter. Die Stellen werden an die Söhne vererbt. Böse Zungen behaupten, dass das bis heute bei KSJ so sei. Wer sich für die Geschichte der Städte Jena und Weimar interessiert, erfährt in diesem Buch mehr darüber, als innerhalb eines ganzen offiziellen romantischen Jahres.

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